Presssysteme · Dichtheitsprüfung und SC-Contur
Dichtheitsprüfung und SC-Contur: trocken prüfen und vergessene Pressungen finden
Die Dichtheitsprüfung ist der Moment, in dem ein Presssystem beweist, was es verspricht – und der Moment, in dem eine vergessene Pressung entweder auffällt oder für Jahre verschwindet. Diese Seite erklärt, warum Trinkwasserinstallationen heute trocken geprüft werden, wie die Prüfung nach Herstellerangabe abläuft, was die Eigenschaft „unverpresst undicht“ bei Viega, Sanha und Geberit leistet und warum Gewinde, Stecksysteme und Kupplungen anders geprüft werden.
- Grundsatz
- Dichtheitsprüfung trocken (DIN EN 806-4), Befüllen erst vor Inbetriebnahme
- Trocken
- 150 mbar, mind. 120 min je 100 l (+20 min je weitere 100 l)
- Belastung trocken
- 3 bar bis DN 50, 1 bar über DN 50, 10 min, mit Sichtkontrolle
- Nass
- 1,1 × Betriebsdruck, 10 min (Metallrohr)
- Unverpresst undicht
- SC-Contur (Viega), UVUD (Sanha), Pressindikator (Geberit)
- Nicht zentral prüfbar
- Gewinde und Verschraubungen – von Hand kontrollieren
Warum heute trocken geprüft wird
Wer eine Trinkwasserinstallation mit Wasser abdrückt, hat sie befüllt – und eine befüllte Anlage muss in Betrieb gehen: vollständiger Wasseraustausch alle drei Tage nach VDI 6023 Blatt 1, spätestens alle sieben Tage nach DIN EN 806. Steht sie länger, wachsen Keime im stehenden Wasser, und eine einmal befüllte Anlage lässt sich in der Regel nicht wieder vollständig entleeren. Deshalb verlangt DIN EN 806-4, die Dichtheitsprüfung trocken durchzuführen, mit ölfreier Druckluft oder Inertgas, und die anschließende Belastungsprüfung nass nur dann, wenn der bestimmungsgemäße Betrieb unmittelbar folgt. Für alles andere gibt es die alternative trockene Belastungsprüfung nach dem Merkblatt des ZVSHK bzw. der BTGA-Regel 5.001.
Die Hersteller folgen dem: Viega erklärt in seinem Planungswissen für alle Installationssysteme die trockene Belastungsprüfung für zulässig und nennt sie bei Bauvorhaben in Losen den Standard. Auch die korrosionschemische Bewertung nach DIN EN 12502, die der Planer vorab trifft, geht von einer trockenen Druckprobe aus. Die nasse Prüfung ist nicht falsch – sie ist nur an die Bedingung geknüpft, dass danach sofort Wasser fließt.
Schutzziel Hygiene Viega formuliert es in seinem Planungswissen so: Die menschliche Gesundheit und damit eine einwandfreie Trinkwasserqualität müssen als Schutzziel immer höher bewertet werden als die Prävention materieller Schäden. Das ist der Grund, warum die trockene Prüfung nicht die bequeme, sondern die richtige Prüfung ist.
So läuft die trockene Prüfung ab (Herstellerangabe Viega)
- Dichtheitsprüfung: Druckluft oder Inertgas mit 150 mbar; nach Erreichen des Prüfdrucks Prüfzeit mindestens 120 Minuten bei einem Rohrleitungsvolumen bis 100 Liter, je weitere 100 Liter 20 Minuten länger.
- Belastungsprüfung trocken: maximal 3 bar bei Nennweiten bis DN 50, 1 bar über DN 50, über 10 Minuten – verbunden mit einer Sichtkontrolle aller Verbindungen auf Dichtheit.
- Belastungsprüfung nass (wenn der Betrieb unmittelbar folgt): Prüfdruck das 1,1-Fache des maximalen Betriebsdrucks nach DIN EN 806-4; Prüfzeit bei metallenen Rohren 10 Minuten nach Temperaturausgleich, bei Kunststoffrohren Vor- und Hauptprüfung nach Herstellerangabe.
- Protokoll: Der Verarbeiter protokolliert die Prüfung nach den Vorgaben des Systemherstellers – das Protokoll ist Teil der Übergabe.
Die Zahlen sind Herstellerangaben für die Viega-Systeme; Sanha, Geberit und die Regelwerke des ZVSHK nennen gleichartige Werte. Maßgeblich ist immer die aktuelle Gebrauchsanleitung des Systems und das Merkblatt, nach dem geprüft wird.
Unverpresst undicht: SC-Contur, UVUD, Pressindikator
Die Sichtkontrolle aller Verbindungen ist in der Praxis nicht immer möglich und selten wirtschaftlich. Deshalb gibt es gesonderte Regelungen für Verbindungssysteme mit der Eigenschaft unverpresst undicht: Ein nicht verpresster Verbinder darf bei der Dichtheitsprüfung nicht zufällig dicht sein – er muss zwangsläufig undicht werden, damit die vergessene Pressung am Manometer auffällt.
Viega SC-Contur: Alle Viega-Pressverbinder tragen die SC-Contur, eine Zwangsundichtheit des unverpressten Verbinders über den gesamten Druckbereich der Prüfung – trocken von 22 mbar bis 3 bar, nass von 1 bis 6,5 bar, unabhängig vom Dichtelement; Viega gewährleistet das Erkennen nicht verpresster Verbindungen bei trockenen Prüfungen von 22 hPa bis 0,3 MPa und bei nassen von 0,1 bis 0,65 MPa. Geprüft wurde die Eigenschaft nach Herstellerangabe vom DVGW und vom Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer. Eine zylindrische Rohrführung schützt das Dichtelement beim Einstecken.
Sanha UVUD: Sanha nennt die Eigenschaft „unverpresst undicht“ (UVUD): Verbindungen sind vor dem Verpressen beim Abdrücken sichtbar undicht, vergessene Verpressungen lassen sich zuverlässig identifizieren – für NiroSan, SANHA-Press, Therm und Heavy Steel Press.
Geberit Pressindikator: FlowFit macht die Pressung mit einem Pressindikator sichtbar und führt definierte Leckpfade, die den unverpressten Zustand bei der Prüfung anzeigen.
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| System | Hersteller | Kontur und Werkzeug | Unverpresst undicht |
|---|---|---|---|
| Viega Profipress (Kupfer) | Viega | SC-Contur (Viega V-Kontur) | ja |
| Viega Profipress G (Gas) | Viega | SC-Contur (Viega V-Kontur) | ja |
| Viega Profipress S (Solar, Hochtemperatur) | Viega | SC-Contur (Viega V-Kontur) | ja |
| Viega Sanpress (Rotguss, Edelstahlrohr) | Viega | SC-Contur (Viega V-Kontur) | ja |
| Viega Sanpress G (Gas) | Viega | SC-Contur (Viega V-Kontur) | ja |
| Viega Sanpress Inox (Edelstahl komplett) | Viega | SC-Contur (Viega V-Kontur), XL 76,1-108 mit Pressring | ja |
| Viega Sanpress Inox G (Gas) | Viega | SC-Contur (Viega V-Kontur) | ja |
| Viega Temponox (Edelstahl, Heizen/Kühlen) | Viega | SC-Contur (Viega V-Kontur) | ja |
| Viega Raxofix (Mehrschichtverbundrohr) | Viega | Raxofix-Kontur (Pressringe 16-63 mm) | ja |
| Viega Megapress (dickwandiges Stahlrohr) | Viega | SC-Contur, Pressbacken 3/8-2 Zoll, XL mit Pressring und Pressgun-Press Booster | ja |
| Viega Megapress S (FKM, höhere Temperaturen) und S XL | Viega | SC-Contur, XL mit Pressring und Pressgun-Press Booster | ja |
| Viega Megapress G (Gas) | Viega | SC-Contur | ja |
| SANHA NiroSan (Edelstahl-Presssystem) | Sanha | SA-, V- oder M-Kontur bis 54 mm (combipress), ab 76,1 SA/M, 139,7/168,3 nur Pressschlingen M | ja (UVUD) |
| SANHA NiroSan Gas | Sanha | SA-, V- oder M-Kontur bis 54 mm | ja (UVUD) |
| SANHA NiroSan Industry (FKM, Hochtemperatur) | Sanha | SA-, V- oder M-Kontur bis 54 mm | ja (UVUD) |
| SANHA-Press (Kupfer) inkl. Gas und Solar | Sanha | SA-, V- oder M-Kontur bis 54 mm (combipress) | ja (UVUD) |
| SANHA-Therm (C-Stahl verzinkt, Heizen/Kühlen) | Sanha | SA-, V- oder M-Kontur bis 54 mm (combipress) | ja (UVUD) |
| SANHA Heavy Steel Press (dickwandiges Stahlrohr) inkl. Gas | Sanha | genormte Kontur, verpressbar mit marktgängigen Pressmaschinen | ja (UVUD) |
| Geberit Mepla (Mehrschichtverbundrohr) | Geberit | Mepla-Kontur (Pressbacken/Pressringe je Dimension) | ja |
| Geberit FlowFit (Mehrschichtverbundrohr, laterale Presstechnik) | Geberit | FlowFit-Kontur (laterale Presstechnik), zwei Pressbacken: blau d16-d40, grün d50-d75, Handpresszange d16-d40 | ja |
| GF iFIT (Stecksystem, Polybuten- und Verbundrohr) | GF | werkzeuglos (Stecken), modulare Adaptertechnik (d16/20 und d25/32) | nein (Steckverbindung - Prüfmechanismus und zwei O-Ringe) |
| Victaulic Nutkupplungen (Typ 77 flexibel, Typ 75, starre Kupplungen) | Victaulic | Rollnut oder Schneidnut, Kupplung mit Schlossschrauben | nein (mechanische Kupplung) |
| Uponor RS 63–110 (modulares Press- und Stecksystem, Mehrschichtverbundrohr) | Uponor | Pressschlingen MLC 63-110 mit Basispressbacke auf Uponor UP 110 / UP 75 / UP 75 EL (32 kN), Pressadapter an der Werkbank vorpressen - Grundkörper werkzeuglos stecken und verriegeln | ja |
| Uponor S-Press PLUS 16–32 und S-Press 14, 40–75 (Mehrschichtverbundrohr) | Uponor | Pressbacken UPP1 (14-50) und Mini KSP0 (14-32), Pressschlingen MLC 63/75 mit Basispressbacke - Uponor-Kontur (Backenkennung U), farbcodiert je Dimension | ja |
Was die Eigenschaft nicht ersetzt: die Prüfung selbst. Ein unverpresster SC-Contur-Verbinder fällt nur auf, wenn Druck aufgebaut, gehalten und abgelesen wird – und die Sichtkontrolle bleibt für alles vorgeschrieben, was diese Eigenschaft nicht hat.
Was bei Gewinde, Stecken und Kupplung anders ist
Gewindeverbindungen und Verschraubungen müssen nach Herstellerangabe von Hand kontrolliert werden: Eine Untersuchung hat gezeigt, dass sie weder mit trockener noch mit nasser Prüfung, weder bei niedrigen noch bei hohen Drücken, sicher zentral überprüft werden können – ein zu wenig angezogenes Gewinde kann bei 150 mbar dicht sein und bei 6 bar tropfen. Bei jedem Übergang auf Temperguss oder Edelstahl-Gewindefittings gehört die Verbindung deshalb in die Sichtkontrolle.
Stecksysteme (GF iFIT) haben keine Pressung, die fehlen könnte; ihre Kontrolle ist die sichtbare Einstecktiefe (Markierung am Rohr, Sichtfenster am Fitting) und die Dichtheitsprüfung wie bei jedem System. Zwei O-Ringe und die Zugsicherung übernehmen, was beim Presssystem Sicke und Verformung leisten.
Nutkupplungen (Victaulic) sind mechanische Verbindungen: Sitz der Kupplung in der Nut, Anzug der Schrauben (Herstellerangabe zum Drehmoment) und Metall-auf-Metall-Kontakt der Kupplungshälften sind von außen sichtbar; die Dichtheitsprüfung folgt den Anlagenregeln (Sprinkler: VdS, Industrie: Betreiber).
Für alle gilt: prüfen, bevor verputzt, gedämmt oder vergossen wird. Eine Verbindung, die man nicht mehr sieht, kann man nur noch messen.
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Häufige Fragen zur Dichtheitsprüfung
Darf ich eine Trinkwasserinstallation mit Wasser abdrücken?
Nach DIN EN 806-4 ist die Dichtheitsprüfung trocken durchzuführen; die nasse Belastungsprüfung ist zulässig, wenn der Betrieb unmittelbar folgt (Wasseraustausch alle 3 Tage nach VDI 6023, spätestens alle 7 Tage). Sonst trocken nach ZVSHK-Merkblatt.
Mit welchem Druck wird trocken geprüft?
Nach Herstellerangabe Viega: Dichtheitsprüfung 150 mbar über mindestens 120 Minuten je 100 Liter Rohrvolumen; Belastungsprüfung 3 bar bis DN 50 bzw. 1 bar darüber, 10 Minuten, mit Sichtkontrolle.
Was heißt „unverpresst undicht“?
Ein nicht verpresster Verbinder ist bei der Dichtheitsprüfung zwangsläufig undicht, sodass die vergessene Pressung am Manometer auffällt – bei Viega SC-Contur trocken 22 mbar bis 3 bar und nass 1 bis 6,5 bar, bei Sanha UVUD, bei Geberit über Pressindikator und Leckpfade.
Ersetzt die SC-Contur die Sichtkontrolle?
Für die Pressverbinder mit dieser Eigenschaft gibt es gesonderte Regelungen; Gewindeverbindungen, Verschraubungen und alle Verbindungen ohne diese Eigenschaft müssen weiter von Hand geprüft werden.
Warum kann ich Gewindeverbindungen nicht zentral prüfen?
Weil eine Untersuchung (Herstellerangabe Viega) gezeigt hat, dass ein unzureichend angezogenes Gewinde bei einem Prüfdruck dicht und bei einem anderen undicht sein kann – weder trocken noch nass sicher erkennbar.
Wie wird ein Stecksystem geprüft?
Über die sichtbare Einstecktiefe (Markierung, Sichtfenster) und die normale Dichtheitsprüfung. Eine vergessene Pressung gibt es nicht, ein zu kurz gestecktes Rohr fällt bei der Sichtkontrolle auf.
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Quellen: Viega Planungswissen Industrietechnik 08/2026 (SC-Contur und doppelte Verpressung; Planungshinweise Dichtheitsprüfung trocken), Viega Pressverbindersysteme 09/2024; Sanha NiroSan-Broschüre 08/2026 (UVUD); Geberit FlowFit 05/2024 und Versorgungssysteme 07/2025; GF iFIT 12/2023; Victaulic I-100. DIN EN 806-4, DIN 1988-200, DIN EN 12502, VDI 6023 Blatt 1, ZVSHK-Merkblatt Dichtheitsprüfung, BTGA-Regel 5.001.