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Faustregel · trifft zu

Druckprüfung: Wasser vor Luft – warum die hydrostatische Prüfung die Regel ist und die Gasdruckprüfung die begründete Ausnahme

Druckprüfung: Wasser vor Luft.

Eine Faustregel ersetzt weder die Auslegung noch die gültige Norm.

Einordnung
robuste Regel
Normbezug
DGRL 2014/68/EU Anhang I Nr. 7.4 (Prüfdruck 1,25 bzw. 1,43 × PS), DIN EN 13480-5, AD 2000 HP 30, BetrSichV, TRBS 1201-2/-3, BG RCI T 039 – zitiert nach Geberit TI 960.013.00.0

Merksatz

Die Festigkeits- und Dichtheitsprüfung einer Rohrleitung wird mit Flüssigkeit gefahren – in der Regel Wasser. Mit Gas (Luft, Stickstoff) wird nur geprüft, wenn Wasser nachteilig oder nicht durchführbar ist, und dann nur nach vorgeschalteten zerstörungsfreien Prüfungen und mit Personenschutzmaßnahmen.

Woher kommt die Regel?

Die Regel steht in den Regelwerken, die die Druckprüfung ordnen – Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU (Anhang I Nr. 3.2.2 und 7.4), DIN EN 13480-5, AD 2000-Merkblatt HP 30, Betriebssicherheitsverordnung mit TRBS 1201-2 und -3 und BG RCI-Merkblatt T 039 – und die Hersteller geben sie in ihren Technischen Informationen weiter. Geberit fasst es so: Die Druckprüfung ist Teil der Abnahmeprüfung und wird meist hydrostatisch durchgeführt; Gasdruckprüfungen sind nur zulässig, wenn eine hydrostatische Prüfung von Nachteil oder nicht durchführbar ist.

Was ist technisch richtig?

Der physikalische Grund ist die gespeicherte Energie: Wasser ist praktisch inkompressibel – versagt ein Bauteil unter Wasserdruck, fällt der Druck sofort ab. Gas ist kompressibel und speichert bei gleichem Druck ein Vielfaches an Energie; ein Versagen wirkt wie eine Explosion. Deshalb verlangt die Gasdruckprüfung vorab zerstörungsfreie Prüfungen in ausreichendem Umfang, eine deutlich sichtbare Absperrung des Bereichs und den Zutritt nur für die beauftragten Personen unterhalb von PS bzw. OP. Zum Prüfdruck nennt die DGRL (Anhang I Nr. 7.4) den höheren Wert aus dem 1,25-fachen der Höchstbelastung im Betrieb (unter Berücksichtigung von zulässigem Druck und zulässiger Temperatur) und dem 1,43-fachen des maximal zulässigen Drucks PS – für die wiederkehrende Prüfung nach BetrSichV gilt der Prüfdruckfaktor auf den zulässigen Betriebsdruck OP.

Wo endet die Regel?

  • Prozesse, die keinerlei Flüssigkeitsreste vertragen (Sauerstoff, Reinstmedien, bestimmte Gasleitungen): dort ist die Gasdruckprüfung der vorgesehene Weg – mit allen Auflagen.
  • Dichtheitsprüfungen von Trinkwasserinstallationen nach DIN EN 806-4 / ZVSHK-Merkblatt mit Luft oder Inertgas bei niedrigem Druck sind eine andere Prüfung als die Festigkeitsprüfung nach DGRL – nicht verwechseln.
  • Andere Flüssigkeiten (Hydrauliköl, Kältemittel der Gruppe 1 nach DIN EN 378-1) sind zulässig, wenn Bauart oder Medium Wasser ausschließen.
  • Welche Rohrleitungen überhaupt überwachungsbedürftig sind, regelt die BetrSichV über die CLP-Einstufung des Mediums (entzündbar, pyrophor, akut toxisch, ätzend).

Was sagt die Norm?

DIN EN 13480-5 (Prüfung metallischer industrieller Rohrleitungen) und AD 2000 HP 30 legen Durchführung, Prüfdruck, Haltezeit und Beurteilung fest; die DGRL verlangt die Festigkeitsprüfung als Teil der Abnahme; die BetrSichV ordnet Prüfungen vor Inbetriebnahme und wiederkehrende Prüfungen; TRBS 1201-2/-3 und BG RCI T 039 beschreiben die Durchführung mit Flüssigkeit (T 039 Punkt 4.2.2 ff.) und mit Gas (Punkt 5.1.3 ff.) samt Personenschutz (5.1.4 ff.). Die Normtexte liegen uns nicht vor; zitiert wird nach der Herstellerinformation.

DIN/EN versus ASME/ASTM

Die ASME-Welt sagt dasselbe: ASME B31.3 nennt die hydrostatische Prüfung als Regel (1,5 × Auslegungsdruck, temperaturkorrigiert) und lässt die pneumatische Prüfung nur zu, wenn die hydrostatische nicht praktikabel ist – mit niedrigerem Faktor (1,1 ×) und eigenen Sicherheitsabschnitten. Wer zwischen den Welten arbeitet, nennt deshalb in der Spezifikation Prüfart, Prüfdruck und Haltezeit ausdrücklich (Faustregel „Prüffrist kommt aus dem Betreiberland“ gilt sinngemäß für die Prüfart).

Praxisbeispiel

Ein Anlagenbauer bestellt für eine Kühlwasserleitung Material und bittet um „Prüfung mit Luft, geht schneller“. Die Leitung ist eine Wasserleitung, Reste stören nicht – also hydrostatisch, Prüfdruck nach der Spezifikation (DGRL: der höhere Wert aus 1,25 × Betriebslast und 1,43 × PS), Protokoll durch den Verarbeiter. Luft wäre hier nicht „schneller“, sondern eine begründungspflichtige Ausnahme mit Absperrung und ZfP davor.

Zickwolff-Bezug

Aus dem Tagesgeschäft: Wir liefern das Material und die Zeugnisse – die Druckprüfung macht der Errichter. Was wir beitragen: die Werkstoff- und Abnahmeprüfzeugnisse 3.1 je Position, damit die Festigkeitsprüfung auf belegten Bauteilen steht, und bei Projekten die Frage nach Prüfart und Prüfdruck schon in der Stückliste, weil sie Werkstoff und Wanddicke mitbestimmt.

Heute überprüft

Ampel: trifft zu (Klasse A). Die Regel gibt die Rangfolge der Regelwerke wieder (hydrostatisch als Regel, Gas als begründete Ausnahme) und die Herstellerinformation bestätigt sie wörtlich.

Weiterführende Links

Häufige Fragen

Darf ich eine Heizungsleitung mit Druckluft prüfen?

Für die Dichtheitsprüfung mit niedrigem Druck ja – nach den dafür geltenden Merkblättern. Die Festigkeitsprüfung mit Prüfdruck ist hydrostatisch, Gas nur als begründete Ausnahme mit den Schutzmaßnahmen der Regelwerke.

Wie hoch ist der Prüfdruck?

Nach DGRL der höhere Wert aus 1,25 × Höchstbelastung im Betrieb (druck- und temperaturbezogen) und 1,43 × maximal zulässiger Druck PS; die Spezifikation und das anzuwendende Regelwerk (EN 13480-5, AD 2000 HP 30) geben den Wert vor.

Liefert Zickwolff ein Druckprüfprotokoll?

Nein – das Protokoll erstellt der Errichter. Wir liefern die Zeugnisse der Bauteile, auf denen die Prüfung aufsetzt.

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