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Technik-Ratgeber · Presssysteme

Presssysteme: Pressverbindungen, Viega-Systemwelt und Dichtelemente

Pressverbindungen verbinden Rohr und Fitting durch kontrollierte mechanische Verformung – kalt, ohne offene Flamme, in Sekunden. Diese Seite erklärt das Funktionsprinzip, das Sicherheitsprinzip SC-Contur, die Viega-Systemwelt von Profipress bis Temponox, die Dichtelemente EPDM, HNBR und FKM sowie die wichtigsten Praxisregeln für Auswahl und Montage.

Prinzip
kalt verpresst, ohne Flamme
Regelwerk
DVGW GW 541, W 534
Hersteller
Viega (Vertragshändler)
Lagerführend
7 Systeme

Was sind Pressverbindersysteme?

Pressverbindungen verbinden Rohr und Fitting durch kontrollierte mechanische Verformung: Ein Pressverbinder mit integriertem Dichtelement wird mit einem Presswerkzeug dauerhaft auf das Rohr verpresst – kalt, ohne offene Flamme, in Sekunden. Ein System bilden dabei immer Rohr + Verbinder + Dichtelement + Werkzeug/Presskontur gemeinsam; maßgeblich sind die Systemzulassung des Herstellers und die produktspezifischen Normen (z. B. DVGW-Arbeitsblätter GW 541, W 534).

Die Vorteile gegenüber Schweißen, Löten und Gewindetechnik: sekundenschnelle Montage ohne Schweißfachkraft, kein Brandrisiko und keine Brandwache, keine Röntgen-/Schweißnahtprüfkosten, minimale Anlagenstillstände und handliches Werkzeug statt Schweißausrüstung. Bei dickwandigen Stahlrohren (Megapress) gibt Viega bis zu 60 % Arbeitszeitersparnis gegenüber dem Schweißen an, in XL-Dimensionen bis zu 80 %.

Zickwolff-Einordnung: Wir sind autorisierter Viega-Vertragshändler. Lagerführend: Profipress, Profipress G, Profipress S, Sanpress, Sanpress Inox, Sanpress Inox G, Temponox. Auf Anfrage: Prestabo, Megapress (auch G/S), Raxofix, Raxinox, Smartloop-Komponenten.

Funktionsprinzip

Wie eine Pressverbindung funktioniert

  • Radiale Verpressung (Standard): Pressbacke verformt Verbinder und Dichtelement um das Rohr (z. B. Profipress, Sanpress, Megapress).
  • „Raxiale“ Verpressung (Raxofix/Raxinox): radiale Werkzeugbewegung wird in eine axiale Verpressung umgewandelt – ganz ohne O-Ring (PPSU- bzw. Metall-Stützkörper dichtet vollflächig); kein Kalibrieren, Anfasen oder Aufweiten nötig.
  • Presskonturen sind nicht kompatibel: Kontur von Backe und Fitting müssen zueinander freigegeben sein. Optisch ähnliche Konturen dürfen nie gemischt werden – einer der häufigsten Praxisfehler.
  • Einstecktiefe: vor dem Verpressen markieren bzw. am Sichtfenster kontrollieren (bei Raxofix/Raxinox auch nach der Verpressung prüfbar). Herausrutschen vor dem Verpressen ist ein typischer Fehlerfall.
Unverpresst undicht

Sicherheitsprinzip SC-Contur (unverpresst undicht)

Viega-Verbinder besitzen die SC-Contur: Eine versehentlich nicht verpresste Verbindung ist bei der Dichtheitsprüfung zwangsweise sichtbar undicht und kann nachgepresst werden. Garantierte Erkennbarkeit: trockene Prüfung (Luft/Inertgas) im Bereich 22 hPa–0,3 MPa, nasse Prüfung 0,1–0,65 MPa. Die SC-Contur ermöglicht die trockene zentrale Dichtheitsprüfung nach ZVSHK-Merkblatt – hygienischer Vorteil, weil kein Stagnationswasser bis zur Inbetriebnahme in der Leitung steht. Qualitätsniveau: DVGW W 534 fordert z. B. 2,5 MPa Druckfestigkeit, Viega prüft mit 5–20 MPa und 100.000 statt 10.000 Druckstoßlastwechseln.

Systemwelt

Die Viega-Systemwelt im Überblick

Viega-Presssysteme: Werkstoff, Dimensionen und Verfügbarkeit bei Zickwolff
SystemWerkstoff / RohrDimensionenVerfügbarkeit
Profipress (Varianten G für Gas, S für Sondermedien)Kupfer/Rotguss/Siliziumbronze12–64 mmlagerführend
SanpressRotguss/Siliziumbronze-Verbinder + Edelstahlrohr 1.452112–108 mmlagerführend
Sanpress Inox / Inox GKomplett-Edelstahl 1.440115–108 mmlagerführend
TemponoxEdelstahl für Heizen/Kühlen (nicht Trinkwasser)15–108 mmlagerführend
Prestaboverzinkter Stahl 1.030812–108 mmauf Anfrage
Megapress / G / Sdickwandige Stahlrohre, Zink-Nickel-beschichtet⅜–4 Zollauf Anfrage
RaxofixMehrschichtverbundrohr10–63 mmauf Anfrage
Raxinoxflexibles, von Hand biegbares Edelstahlrohr mit Inliner 1.443516/20 mmauf Anfrage
SmartloopInliner-Zirkulationauf Anfrage

Besonderheiten: Das Sanpress-Rohr 1.4521 ist nickelfrei (Kalkulationssicherheit, PRE-Wert > 24, lasergeschweißt). Das Temponox-Rohr 1.4520 ist die wirtschaftliche Edelstahl-Alternative für geschlossene Kreisläufe (braune Kennzeichnung = kein Trinkwasser). Sanpress Inox XL bietet die Zwischengröße 64 mm. Flanschübergänge gibt es mit Pressmuffe statt Gewinde (DN 20–100) – mehr zu Flanschen in unserem Flansch-Ratgeber, mehr zu den Edelstahlgüten in der Werkstoffübersicht.

Dichtelemente

Dichtelemente: das Medium entscheidet

Dichtelemente und Kennzeichnungen in Viega-Pressverbindern
Dichtelement / KennzeichnungGeeignet fürNicht geeignet für
EPDM (Standard, grüner Punkt)polare Medien – Wasser, Trinkwasser (KTW-Bewertungsgrundlage des UBA, seit 21.03.2021 Nachfolger der KTW-Leitlinie), Kühlflüssigkeiten, begrenzt Säuren/BasenÖle, Benzin, Kohlenwasserstoffe
HNBR (gelber Punkt/gelbe Kennzeichnung)Gasinstallation (Erd-/Flüssiggas nach DVGW-TRGI 2018), auch Heizöl/Diesel
FKMhohe Temperaturen und Öle – Solar (Vakuumröhrenkollektoren), Niederdruckdampf, Megapress S
blauer Punktlabs-frei (Automobil/Lackiererei, einzeln verpackt)
braune MarkierungTemponox (Heizen/Kühlen)Trinkwasser

Grundregel: Dichtelement immer gegen Medium, Druck, Temperatur und Betriebsweise prüfen; im Zweifel Herstellerfreigabe einholen.

Einsatzbereiche

Einsatzbereiche

Trinkwasser: Hygiene als Leitkriterium – Werkstoffe auch bei Desinfektion nach § 11 TrinkwV beständig (1.4401/1.4521), Ring- und Reihenleitungen mit Doppelwandscheiben gegen Stagnation, Smartloop-Inlinertechnik (Zirkulation im Einrohrprinzip), Venturi-Einpressdüse gegen Stagnation an selten genutzten Zapfstellen, Easytop-Probenahmeventil für TrinkwV-Beprobung.

Gas: Sanpress Inox G und Profipress G (HNBR, gelb) nach DVGW-TRGI 2018; 15–54 mm auch für Heizöl/Diesel; Kombination mit Rotguss-Übergängen für Gaszähleranschlüsse.

Heizen/Kühlen: Temponox und Prestabo als wirtschaftliche Systeme für geschlossene Kreisläufe; bei Kupfer-Verbindern auf Temponox-Rohr Korrosionsschutzbinde an der Verbindungsstelle.

Industrie: Druckluft, technische Gase (Stickstoff, Argon), Prozess- und Kühlwasser, Löschwasser/Wandhydranten, labs-freie Systeme, Niederdruckdampf, Öle – Detailgrenzen je System im Viega-Planungswissen dokumentiert.

Mischinstallation

Mischinstallation und Korrosion

Verbindungen unterschiedlicher Werkstoffe müssen Wärmeausdehnung, Kontaktkorrosion und Dichtsystem beherrschen. Praxisregeln: Isolierverschraubungen beim Übergang verzinkter Stahl → Edelstahl (Bimetallkorrosion), keine Direktkombination nicht freigegebener Komponenten, Übergangsstücke des Systemherstellers nutzen (z. B. Raxofix ↔ metallene Viega-Systeme, Raxinox ↔ Sanpress Inox).

Werkzeuge

Werkzeuge

Pressguns als Systemwerkzeuge: Pressgun 6 Plus (12–108 mm Metall, Megapress ⅜–2 Zoll, Kunststoff 12–63 mm, 32 kN; XL-Dimensionen mit Press-Booster bis 4 Zoll), Pressgun Picco 6 Plus (bis 35 mm, 24 kN, Einhandbedienung); Gelenkzugbacken/Pressringe für enge Einbaulagen; Serviceintervall 40.000 Verpressungen/4 Jahre mit automatischer Sicherheitsabschaltung; Tool-Services-App (Bluetooth). Wichtig fürs Beratungsgespräch: Raxofix/Raxinox brauchen keine neuen Maschinen, nur passende Backen.

Praxisfehler

Häufige Fehler

  1. Komponenten verschiedener Systeme oder Hersteller mischen, die nicht füreinander freigegeben sind.
  2. Optisch ähnliche Presskonturen kombinieren.
  3. Einstecktiefe nicht markiert/kontrolliert – Rohr rutscht vor dem Verpressen heraus.
  4. Dichtelement passt nicht zum Medium (EPDM mit Öl; Standard-EPDM statt FKM bei hohen Temperaturen).
  5. Temponox (braun) für Trinkwasser einsetzen.
  6. Nur nach Nennweite/Kurzbezeichnung bestellen statt System + Kontur + Dichtelement + Zulassung anzugeben.
  7. Verpressung vergessen und Anlage ohne Dichtheitsprüfung befüllen (SC-Contur deckt das auf – aber nur, wenn geprüft wird).

Häufige Fragen zu Presssystemen

Was versteht man unter Pressverbindungen?

Pressverbindungen verbinden Rohr und Fitting durch kontrollierte mechanische Verformung: Ein Pressverbinder mit integriertem Dichtelement wird mit einem Presswerkzeug dauerhaft auf das Rohr verpresst – kalt, ohne offene Flamme, in Sekunden. Die Vorteile gegenüber Schweißen, Löten und Gewindetechnik: sekundenschnelle Montage ohne Schweißfachkraft, kein Brandrisiko und keine Brandwache, keine Röntgen-/Schweißnahtprüfkosten, minimale Anlagenstillstände und handliches Werkzeug statt Schweißausrüstung.

Worauf kommt es bei Montage und Verarbeitung von Pressverbindungen an?

Pressverbindungen dürfen nur nach dem vom Hersteller freigegebenen Verfahren verarbeitet werden. In der Praxis heißt das: Einstecktiefe vor dem Verpressen markieren bzw. am Sichtfenster kontrollieren, nur zueinander freigegebene Presskonturen von Backe und Fitting kombinieren und die Dichtheitsprüfung durchführen – die SC-Contur macht eine versehentlich nicht verpresste Verbindung dabei sichtbar, sie kann nachgepresst werden.

Sind Presskonturen verschiedener Systeme kompatibel?

Nein, nicht automatisch. Kontur von Pressbacke und Fitting müssen zueinander freigegeben sein. Optisch ähnliche Konturen dürfen nie gemischt werden – das ist einer der häufigsten Praxisfehler. Maßgeblich sind die Systemzulassung und die Freigabelisten des Herstellers.

Welches Dichtelement passt zu welchem Medium?

EPDM (Standard, grüner Punkt) für polare Medien wie Wasser, Trinkwasser und Kühlflüssigkeiten – nicht für Öle, Benzin und Kohlenwasserstoffe. HNBR (gelbe Kennzeichnung) für die Gasinstallation nach DVGW-TRGI 2018, auch Heizöl/Diesel. FKM für hohe Temperaturen und Öle, z. B. Solar, Niederdruckdampf und Megapress S. Grundregel: Dichtelement immer gegen Medium, Druck, Temperatur und Betriebsweise prüfen; im Zweifel Herstellerfreigabe einholen.

Warum ist die Einstecktiefe so wichtig?

Herausrutschen des Rohrs vor dem Verpressen ist ein typischer Fehlerfall. Deshalb die Einstecktiefe vor dem Verpressen markieren bzw. am Sichtfenster kontrollieren – bei Raxofix und Raxinox ist die Einstecktiefe auch nach der Verpressung prüfbar.

Was bedeutet „unverpresst undicht“ (SC-Contur)?

Viega-Verbinder besitzen die SC-Contur: Eine versehentlich nicht verpresste Verbindung ist bei der Dichtheitsprüfung zwangsweise sichtbar undicht und kann nachgepresst werden. Garantierte Erkennbarkeit: trockene Prüfung (Luft/Inertgas) im Bereich 22 hPa–0,3 MPa, nasse Prüfung 0,1–0,65 MPa. Die SC-Contur ermöglicht die trockene zentrale Dichtheitsprüfung nach ZVSHK-Merkblatt – hygienischer Vorteil, weil kein Stagnationswasser bis zur Inbetriebnahme in der Leitung steht.

Was ist bei Mischverbindungen und Mischinstallation zu beachten?

Verbindungen unterschiedlicher Werkstoffe müssen Wärmeausdehnung, Kontaktkorrosion und Dichtsystem beherrschen. Praxisregeln: Isolierverschraubungen beim Übergang verzinkter Stahl → Edelstahl (Bimetallkorrosion), keine Direktkombination nicht freigegebener Komponenten, Übergangsstücke des Systemherstellers nutzen – z. B. Raxofix ↔ metallene Viega-Systeme, Raxinox ↔ Sanpress Inox.

Profipress S (Sondermedien) führen wir ebenfalls ab Lager – aktuell ohne eigene Shop-Unterkategorie. Sprechen Sie uns direkt an.

Weitere Viega-Systeme auf Anfrage

Prestabo, Megapress (auch G/S), Raxofix, Raxinox und Smartloop-Komponenten beschaffen wir kurzfristig über unseren Beschaffungsservice.

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Fachliche Grundlage: Viega-Systemunterlagen und Planungswissen (Vertragshändler-Material, Nutzung freigegeben), DVGW-Arbeitsblätter GW 541 und W 534, DVGW-TRGI 2018, ZVSHK-Merkblatt zur Dichtheitsprüfung, KTW-Bewertungsgrundlage des UBA, TrinkwV. Angaben ohne Gewähr – maßgeblich sind stets die aktuellen technischen Unterlagen und Freigaben des Herstellers.