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Armaturen auswählen und bestellen: von der Aufgabe zur eindeutigen Anfrage
Die meisten Verzögerungen bei Armaturenbestellungen entstehen nicht im Lager, sondern in der Anfrage: fehlende Baulänge, unklares Medium, kein Zeugnis bestellt. Diese Seite führt in drei Schritten von der Aufgabe zur Bauart, durch die 10-Punkte-Checkliste für die eindeutige Anfrage – und zeigt, wie Sie im Austauschfall auch ohne Unterlagen zum passenden Ersatz kommen.
- Weg
- Aufgabe → Bauart → Spezifikation
- Normen
- EN 558 · DIN EN 12266 · DIN EN 10204
- Herzstück
- 10-Punkte-Anfrage-Checkliste
- Beratung
- markenneutral, ab Lager
Schritt 1: Von der Aufgabe zur Bauart
Am Anfang steht nicht die Armatur, sondern die Aufgabe in der Leitung. Der Wegweiser führt zur passenden Bauartenfamilie – jede Detailseite vertieft Auswahl und Grenzen:
| Aufgabe | Typische Bauarten | Detailseite |
|---|---|---|
| Absperren (auf/zu) | Schieber, Sitzventil, Kugelhahn, Klappe | Absperrarmaturen · Kugelhähne · Absperrklappen |
| Durchfluss, Druck oder Temperatur regeln | Stellventil, Strangregulierventil, Regelklappe | Regelarmaturen |
| Gegen Überdruck sichern, Druck halten | Sicherheitsventil, Druckminderer, Überströmventil | Sicherheits- und Druckregelarmaturen |
| Rückfluss verhindern | Rückschlagventil, Rückschlagklappe, Doppelflügel | Rückschlagarmaturen |
| Fernbetätigen und automatisieren | elektrische/pneumatische Antriebe, Zubehör | Antriebe und Automatisierung |
Schritt 2: Die 10-Punkte-Checkliste für die eindeutige Anfrage
Mit diesen zehn Angaben lässt sich jede Armatur eindeutig auslegen und anbieten – je vollständiger die Anfrage, desto schneller das passende Angebot:
- Medium – mit Konzentration, Verschmutzungsgrad (Feststoffe? abrasiv? aggressiv?) und Aggregatzustand.
- Betriebsdruck und -temperatur – daraus folgen Druckstufe (PN/Class) und Temperaturgrenzen der Werkstoffe und Dichtungen.
- Nennweite DN – beim Kugelhahn zusätzlich: voller oder reduzierter Durchgang; bei Regelaufgaben zählt der Kv-Bedarf, nicht die Rohrnennweite.
- Anschlussart – Flansch (DIN EN 1092-1 oder ASME B16.5, mit Dichtflächenform), Zwischenflansch (Wafer/Lug), Gewinde Rp/R oder Schweißende.
- Baulänge – im Austauschfall die gemessene Länge oder die EN-558-Reihe angeben; der häufigste Grund für Fehllieferungen ist die fehlende Baulänge.
- Aufgabe – reines Auf/Zu oder Regelbetrieb? Bei Regelaufgaben zusätzlich Durchflussmenge und verfügbarer Differenzdruck.
- Werkstoff – Gehäuse und Innenteile passend zu Medium und Temperatur, von Grauguss über Sphäro- und Stahlguss bis Edelstahl oder Kunststoff.
- Betätigung – Hand, Handgetriebe, elektrisch oder pneumatisch, inklusive der Sicherheitsstellung bei Energieausfall (siehe Antriebe).
- Zulassungen, Dichtheit, Zeugnisse – DVGW für Gas/Trinkwasser, TA Luft, ATEX, Fire-Safe, geforderte Leckrate nach DIN EN 12266, Prüfbescheinigung nach DIN EN 10204 (2.2/3.1/3.2).
- Stückzahl, Termin, Einbausituation – gewünschter und spätestmöglicher Liefertermin, Einbaulage und Platzverhältnisse (Antriebshöhe, Ausbaumaße).
Bestellbeispiel
„Absperrklappe DN 100 PN 16, zentrisch weichdichtend, Manschette EPDM, Scheibe 1.4408, Zwischenflansch-Bauform (Wafer) nach EN 558 Reihe 20, für Kühlwasser 60 °C, Betätigung Handhebel, 4 Stück, mit Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach DIN EN 10204, Liefertermin KW 35.“ – Eine solche Zeile beantwortet alle zehn Punkte und ist ohne Rückfrage angebotsfähig.
Schritt 3: Der Austauschfall – vom Typenschild zum Ersatz
Die häufigste Praxissituation: Eine Armatur ist defekt, Unterlagen fehlen, die Anlage soll schnell wieder laufen. Der Weg zum Ersatz:
- Typenschild und Gehäuseguss ablesen: Hersteller, Typ-/Figurnummer, DN, PN, Werkstoff – meist steht alles Wichtige an der Armatur. Wie Sie die Angaben entschlüsseln, zeigt Kennzeichnung lesen.
- Baulänge messen (zwischen den Dichtflächen) und die Anschlussart erfassen – zusammen mit DN und PN die halbe Miete für den passgenauen Ersatz.
- Betriebsdaten ergänzen: Medium, Druck, Temperatur – auch wenn die Altarmatur „schon immer“ lief, lohnt der Abgleich: Manche Bestandsarmatur war nie die richtige Wahl.
- Nichts lesbar? Fotos von allen Seiten plus Hauptmaße genügen oft: Wir identifizieren das Teil über unsere Herstellerkontakte und Marktkenntnis und schlagen den aktuell lieferbaren Ersatz vor – auch bei abgekündigten Baureihen und alten DIN-Bezeichnungen.
Dichtheit, Prüfung, Dokumente
Industriearmaturen werden nach DIN EN 12266-1 geprüft: Gehäusefestigkeitsprüfung mit erhöhtem Prüfdruck (typisch das 1,5-Fache des zulässigen Drucks) und Sitzdichtheitsprüfung, deren Ergebnis als Leckrate ausgedrückt wird – Rate A steht für „keine feststellbare Leckage“ und ist bei weichdichtenden Armaturen Standard. Dokumentiert wird auf Wunsch mit Prüfbescheinigungen nach DIN EN 10204: Werkszeugnis 2.2, Abnahmeprüfzeugnis 3.1 oder 3.2 mit unabhängiger Abnahme. Wichtig für die Praxis: Zeugnisse mit der Bestellung anfordern – nachträglich ist die auftragsbezogene Zuordnung aufwendig und nicht immer möglich.
Zickwolff-Service
Drei Abkürzungen zur fertigen Bestellung
Stücklisten-Check: Bedarfsliste oder Ausschreibung als Excel/PDF senden – wir prüfen auf Normfehler, fehlende Angaben und vergessene Nebenpositionen (Dichtungen, Schrauben) und liefern das Angebot gleich mit. Teile-Identifikation: Foto, Stempelung und Maße genügen – wir bestimmen Produkttyp, Norm und den lieferbaren Ersatz. Express: Bei Anlagenstillstand prüfen wir Lagerbestand und Herstellernetzwerk auf dem schnellsten Weg. Als Fachgroßhandel beraten wir markenneutral über Bauarten und Hersteller hinweg.
Häufige Fragen zu Auswahl und Bestellung
Warum ist die Baulänge bei der Armaturenbestellung so wichtig?
Weil die Armatur zwischen zwei vorhandene Rohrflansche passen muss: Die Einbaulängen sind in den Grundreihen der EN 558-1 genormt (früher DIN 3202), aber je Bauart gibt es mehrere Reihen. Der häufigste Fehler im Austauschfall ist eine Bestellung nur nach DN und PN – die gelieferte Armatur hat dann die falsche Baulänge und passt nicht in die Lücke. Deshalb gehört in jede Austauschanfrage die gemessene Baulänge oder die EN-558-Reihe.
Was sagt die Kennzeichnung auf einer Armatur aus?
Gehäuseguss und Typenschild nennen in der Regel Hersteller, Typ- bzw. Figurnummer, Nennweite DN, Druckstufe PN oder Class, Gehäusewerkstoff und die Durchflussrichtung (Pfeil); je nach Einstufung nach Druckgeräterichtlinie kommt die CE-Kennzeichnung hinzu. Für den Austauschfall reichen diese Angaben plus gemessene Baulänge fast immer für ein passendes Ersatzangebot. Wie Sie Stempel- und Schildangaben systematisch entschlüsseln, zeigt unsere Seite „Kennzeichnung lesen“.
Was sind Sitzleckageklassen (Leckraten) bei Armaturen?
Die Dichtheit des Abschlusses im geschlossenen Zustand wird bei Industriearmaturen über Leckraten nach DIN EN 12266-1 spezifiziert. Leckrate A ist die höchste Klasse – während der Prüfdauer ist keine Leckage feststellbar, typisch für weichdichtende Armaturen wie Kugelhähne. Für metallisch dichtende Bauarten werden je nach Anwendung auch Raten mit definierten kleinen Leckmengen vereinbart. Die geforderte Leckrate gehört in die Anfrage, wenn die Anwendung besondere Dichtheit verlangt.
Wie werden Armaturen vor der Auslieferung geprüft?
Standard sind die Prüfungen nach DIN EN 12266-1: eine Gehäusefestigkeitsprüfung mit erhöhtem Prüfdruck (typisch das 1,5-Fache des zulässigen Drucks) und eine Sitzdichtheitsprüfung, deren Ergebnis über die Leckrate ausgedrückt wird. Hersteller dokumentieren diese Prüfungen auf Wunsch in einer Prüfbescheinigung nach DIN EN 10204 – vom Werkszeugnis 2.2 bis zum Abnahmeprüfzeugnis 3.1 mit spezifischen Ergebnissen zur bestellten Armatur.
Wann brauche ich ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 für Armaturen?
Immer dann, wenn Ihre Anlage, Ihr Kunde oder das anzuwendende Regelwerk eine dokumentierte, auftragsbezogene Prüfung verlangt – üblich in der Prozessindustrie, bei Druckgeräten und in dokumentationspflichtigen Projekten. Das 3.1-Zeugnis bestätigt spezifische Prüfergebnisse der gelieferten Armatur durch den Hersteller; die 3.2-Abnahme ergänzt eine unabhängige Stelle (z. B. TÜV). Wichtig: Das Zeugnis bei der Bestellung mitbestellen – eine nachträgliche Ausstellung ist aufwendig und nicht immer möglich.
Altarmatur ohne Unterlagen – wie finde ich passenden Ersatz?
Erst das Typenschild und den Gehäuseguss ablesen (Hersteller, Typ/Figurnummer, DN, PN, Werkstoff), dann die Baulänge zwischen den Dichtflächen und die Anschlussart erfassen – zusammen mit Medium, Druck und Temperatur reicht das fast immer. Fehlt auch das Typenschild, helfen Fotos, Maße und die Einbausituation: Senden Sie uns beides, wir identifizieren das Teil und schlagen den passenden, aktuell lieferbaren Ersatz vor – auch wenn die alte Baureihe längst abgekündigt ist.
Können Sie direkt aus einer Stückliste anbieten?
Ja – senden Sie uns Ihre Bedarfsliste oder Ausschreibungsposition einfach als Excel oder PDF. Wir prüfen die Positionen auf Vollständigkeit und Plausibilität (fehlende Angaben wie Baulänge oder Zeugnis, veraltete Normbezeichnungen, vergessene Nebenpositionen wie Dichtungen und Schrauben) und erstellen daraus direkt das Angebot. Das ist der schnellste Weg von der Planung zur Lieferung – und vermeidet Rückfragenschleifen je Einzelposition.
Anfrage senden – mit Checkliste wird sie eindeutig
Ob Einzelarmatur, Austauschfall oder komplette Stückliste: Mit den zehn Punkten oben legen wir sofort los. Fotos und Listen einfach an die Anfrage anhängen.
Anfrage
Armatur anfragen
Mit der 10-Punkte-Checkliste – wir antworten mit dem Angebot.
Service
Stücklisten-Check
Bedarfsliste als Excel/PDF senden – Prüfung und Angebot in einem.
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Armaturen ab Lager
Absperrventile, Kugelhähne und Absperrklappen.
Übersicht
Armaturen-Wissen
Alle Bauarten, Baulängen und Anschlussarten im Überblick.
Fachliche Grundlage: eigenes Zickwolff-FAQ-Paket (Themenblock Armaturen, u. a. IDs 2711–2790) und eigene Beratungspraxis; Normfakten zu EN 558-1, DIN EN 12266-1 und DIN EN 10204; Bild: RuB/Bonomi. Angaben ohne Gewähr – maßgeblich sind die aktuellen Normen und die technischen Unterlagen der Hersteller. Redaktionell geprüft: Juli 2026. Berücksichtigter Normen- und Herstellerstand: Juli 2026.