Themenbereich · Armaturen
Industriearmaturen erklärt: Bauarten, Aufgaben und Auswahl
Ob Schieber, Sitzventil, Kugelhahn oder Sicherheitsventil – jede Armatur ist für eine bestimmte Aufgabe gebaut: absperren, regeln, sichern, Rückfluss verhindern oder Kondensat ableiten. Wer die Bauarten und ihre Grenzen kennt, wählt schneller die richtige Armatur und vermeidet die klassischen Fehler – etwa den Schieber, der zum Drosseln missbraucht wird. Diese Seite ordnet die Armaturenwelt und führt zu den Detailseiten.
- Aufgaben
- Absperren · Regeln · Sichern · Ableiten
- Baulängen
- EN 558 (DIN 3202)
- Anschlüsse
- Flansch · Gewinde · Schweißende
- Betätigung
- Hand · elektrisch · pneumatisch
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Armaturen ab Lager – markenneutral beraten
Zickwolff führt Absperrventile (u. a. KSB BOA-H, ARI FABA und EURO-WEDI), Absperrklappen und das RuB-Kugelhahn-Programm ab Lager – ergänzt um BEE-Kugelhähne, GESTRA-Dampfarmaturen und GF-Kunststoffarmaturen auf kurzem Weg. Als Fachgroßhandel beraten wir herstellerneutral über Bauarten hinweg.
Die Aufgaben: was Armaturen im System leisten
Eine Rohrleitung transportiert – die Armaturen machen sie beherrschbar. Im Kern lassen sich alle Bauarten einer von fünf Aufgaben zuordnen: Absperren (den Durchfluss freigeben oder dicht schließen), Regeln (Durchfluss, Druck oder Temperatur gezielt einstellen), Sichern (Überdruck gefahrlos abbauen), Rückfluss verhindern (selbsttätig gegen Strömungsumkehr schließen) und Ableiten (Kondensat aus Dampfsystemen ausschleusen, ohne Dampf zu verlieren). Dazu kommen Schutz- und Hilfsarmaturen wie Schmutzfänger, Schaugläser oder Be- und Entlüftungsventile. Diese Systematik – Regeln, Absperren, Sichern, Ableiten – hat sich in der Branche als Ordnungsprinzip etabliert und gliedert auch unsere Detailseiten.
Die wichtigsten Bauarten im Vergleich
Zwei Merkmale sortieren die Bauartenvielfalt: die Bewegungsform des Abschlusskörpers (linear hebend wie bei Schieber und Sitzventil – oder 90 Grad drehend wie bei Kugelhahn und Klappe) und die Regel-Eignung. Die Tabelle zeigt die Kernbauarten mit typischen Normen und Einsatzfeldern:
| Bauart | Bewegung | Aufgabe | Regeln? | Produktnorm (Bsp.) | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| Absperrschieber | linear | absperren | nein | DIN EN 1171 (Gusseisen-Schieber) | Wasser/Abwasser, voller Durchgang |
| Absperrventil (Sitzventil) | linear | absperren | bedingt | DIN EN 13709 (Stahl-Sitzventile) | Dampf, Heißwasser, Industrie |
| Kugelhahn | drehend 90° | absperren | nein | DIN EN 1983 (Stahl-Industrie) · EN 331 (Gas) · DIN EN 13828 (TW) | Gas, Trinkwasser, Druckluft – schnell schaltend |
| Absperrklappe | drehend 90° | absperren | grob / ja (exzentrisch) | DIN EN 593 | große Nennweiten, kurze Baulänge |
| Rückschlagventil / -klappe | selbsttätig | Rückfluss verhindern | – | DIN EN 16767 | Pumpendruckseite, Steigleitungen |
| Regelventil (Stellventil) | linear | regeln | ja – Kernaufgabe | IEC/DIN EN 60534 | Prozess- und Energietechnik |
| Sicherheitsventil | selbsttätig | sichern | – | DIN EN ISO 4126-1 | Druckbehälter, Dampfkessel, Heizung |
| Druckminderer | selbsttätig | Nachdruck konstant halten | – | – | Dampf-, Wasser-, Druckluftnetze |
| Membranventil | linear | absperren/regeln | bedingt | DIN EN ISO 16138 | Chemie, abrasive/aggressive Medien |
| Schmutzfänger | – | schützen | – | – | vor Regelventilen, Ableitern, Pumpen |
| Kondensatableiter | selbsttätig | ableiten | – | DIN EN ISO 5117 | Dampfnetze, Wärmeübertrager |
Die Übersicht zeigt die wichtigsten Bauarten im Auszug – die Detailseiten vertiefen jede Gruppe. Die vollständige Bauarten-Matrix mit Baulängenreihen und Bauform-Details senden wir auf Anfrage gern zu.
Aufbau einer Armatur: die immer gleichen Bauteile
So unterschiedlich die Bauarten wirken – der Grundaufbau ähnelt sich: Das Gehäuse ist der drucktragende Kern und bildet den Strömungsweg, der Deckel verschließt es und ist meist der Wartungszugang. Innen sitzt die Garnitur aus Sitz und Abschlusskörper (Platte, Kegel, Kugel oder Scheibe), bewegt über Spindel oder Welle. Nach außen dichtet eine Stopfbuchse – oder, bei hohen Anforderungen an die äußere Dichtheit (etwa bei Dampf, Wärmeträgeröl oder emissionsrelevanten Anwendungen nach TA Luft), ein metallischer Faltenbalg; maßgeblich sind die geforderte Dichtheitsklasse und die Herstellerfreigabe. Betätigt wird per Handrad oder Hebel, über Getriebe oder mit elektrischen bzw. pneumatischen Antrieben, bei Regelarmaturen ergänzt um den Stellungsregler. Gehäusewerkstoffe reichen von Grauguss über Sphäroguss und Stahlguss bis zu Edelstahl – bei Messing-Kugelhähnen ist warmgepresstes CW617N üblich.
Baulängen: EN 558 löst DIN 3202 ab
Damit Armaturen verschiedener Hersteller austauschbar bleiben, sind die Einbaulängen genormt: Die alten DIN-3202-Gruppen (F für Flansch-, K für Zwischenflanschbauformen) sind in den Grundreihen der EN 558-1 aufgegangen. Die wichtigsten Zuordnungen:
| DIN 3202 | EN 558-1 | Bauform | DN 50 | DN 100 | DN 200 |
|---|---|---|---|---|---|
| F-1 | Reihe 1 | Flansch, lang (Ventile, Schieber) | 230 | 350 | 600 |
| F-4 | Reihe 27/14 | Flansch, kurz | 150 | 190 | 230 |
| F-5 | Reihe 15 | Flansch (Rückschlagklappen u. a.) | 250 | 300 | 400 |
| K-1 | Reihe 20 | Zwischenflansch (Klappen) | 43 | 52 | 60 |
| K-3 | Reihe 16 | Zwischenflansch | 43 | 64 | 89 |
Die Tabelle zeigt einen Auszug – die vollständige Zuordnung über alle Reihen und Nennweiten DN 10–400 senden wir auf Anfrage gern zu. Für internationale Anfragen hilft außerdem unser Deutsch-Englisch-Glossar der Armaturenbezeichnungen – vom „Absperrschieber" (gate valve) bis zur „Doppelflügel-Rückschlagklappe" (wafer duo swing check valve).
Anschlussarten: So kommt die Armatur in die Leitung
Neben Bauart und Baulänge entscheidet der Anschluss darüber, welche Armatur in eine Anlage passt. Die gängigen Ausführungen:
- Flanscharmaturen (Doppelflansch): der Industriestandard – die Armatur trägt beidseitig eigene Flansche nach DIN EN 1092-1 (bzw. ASME B16.5) und wird gegen die Rohrflansche geschraubt. Herstellerübergreifend austauschbar, gut montier- und demontierbar, von DN 15 bis in größte Nennweiten. Details zu Lochbild, DN und PN erklärt unsere Flansch-Übersicht.
- Zwischenflanscharmaturen (Wafer/Lug): die Armatur hat keine eigenen Flansche, sondern wird zwischen zwei Rohrflansche gespannt (Wafer) oder mit Gewindeaugen an ihnen verschraubt (Lug – je nach Konstruktion, Druckstufe und Herstellerfreigabe auch für den Endeinbau geeignet). Typisch für Absperrklappen und Rückschlagventile: kurz, leicht, günstig.
- Gewindearmaturen (Muffe/Außengewinde): mit Innengewinde Rp oder Außengewinde R nach ISO 7-1 – die Domäne der Gebäudetechnik bis etwa DN 50 (2″), z. B. Messing-Kugelhähne und Schrägsitzventile.
- Armaturen mit Schweißenden oder Schweißmuffen: werden dauerhaft dicht in die Leitung eingeschweißt – üblich in Dampf-, Fernwärme- und Hochdrucknetzen, wenn lösbare Verbindungen als Leckagestellen vermieden werden sollen.
- Kunststoff-Anschlusstechnik: Kunststoffarmaturen verbinden sich per Klebemuffe (PVC-U/PVC-C), Schweißmuffe bzw. IR-Stumpfschweißung (PE, PP, PVDF) oder lösbar über Verschraubungsenden – mehr dazu in unserer Übersicht der GF-Kunststoffrohrsysteme.
Auswahlkriterien: so wird die Anfrage eindeutig
Die passende Armatur ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Medium und Aufgabe. In der Beratungspraxis brauchen wir dafür diese Angaben:
- Medium – inklusive Konzentration, Temperatur und Verschmutzungsgrad (Feststoffe? abrasiv? aggressiv?).
- Druck und Temperatur im Betrieb – daraus folgen Druckstufe (PN/Class) und Werkstoff.
- Nennweite DN und Anschlussart (Flansch nach DIN EN 1092-1, Gewinde, Schweißende).
- Aufgabe: reines Auf/Zu oder Regelbetrieb? Bei Regelaufgaben zusätzlich Durchflussmenge und zulässiger Druckverlust (Kv-Auslegung).
- Betätigung: Hand, Getriebe, elektrisch oder pneumatisch – und ob eine Sicherheitsstellung (federschließend) nötig ist.
- Einbaulage und Baulänge (EN-558-Reihe bei Austausch in Bestandsanlagen!).
- Dichtheit, Zulassungen, Zeugnisse: DVGW für Gas/Trinkwasser, TA-Luft, Fire-Safe, SIL, Abnahmezeugnis 3.1 nach DIN EN 10204.
Tipp für den Austauschfall: Vom Typenschild einer Altarmatur lassen sich meist Hersteller, Typ/Figurnummer, DN, PN und Werkstoff ablesen – zusammen mit der gemessenen Baulänge reicht das fast immer für ein passendes Ersatzangebot. Mehr dazu auf unserer Seite Kennzeichnung lesen.
Häufige Fragen zu Industriearmaturen
Welche Aufgaben übernehmen Armaturen in einer Rohrleitung?
Armaturen absperren den Durchfluss (Schieber, Ventil, Kugelhahn, Klappe), regeln ihn gezielt (Stellventil), sichern gegen Überdruck (Sicherheitsventil), verhindern Rückfluss (Rückschlagventil/-klappe), halten Drücke konstant (Druckminderer), leiten Kondensat ab (Kondensatableiter) und schützen andere Bauteile (Schmutzfänger). Für jede Aufgabe gibt es spezialisierte Bauarten.
Was versteht man unter Absperrschiebern?
Absperrschieber geben in geöffneter Stellung einen geraden, vollen Strömungsquerschnitt frei und sind für den Auf/Zu-Betrieb gedacht – zum Drosseln sind sie nicht geeignet, weil die Platte in Zwischenstellung schwingt und Sitz wie Platte verschleißen. Typische Produktnorm ist DIN EN 1171, die Baulängen folgen EN 558.
Was versteht man unter Regelventilen?
Regelventile (Stellventile) verändern den Durchfluss gezielt über einen geformten Kegel und werden über den Kv-Wert und die passende Kennlinie (z. B. linear oder gleichprozentig) für die Regelaufgabe dimensioniert. Sie arbeiten mit pneumatischen oder elektrischen Antrieben und Stellungsreglern zusammen.
Warum darf ein Absperrschieber nicht zum Drosseln verwendet werden?
In Zwischenstellung strömt das Medium mit hoher Geschwindigkeit unter der Platte hindurch: Die Platte beginnt zu schwingen, Sitzflächen und Platte verschleißen durch Erosion, und die Armatur schließt irgendwann nicht mehr dicht. Zum Drosseln gehören Regel- oder Sitzventile in die Leitung – der Schieber bleibt ganz offen oder ganz zu.
Welche Angaben braucht eine eindeutige Armaturenanfrage?
Medium (mit Konzentration/Verschmutzung), Betriebsdruck und -temperatur, Nennweite DN und Druckstufe PN bzw. Class, Anschlussart (Flansch, Gewinde, Schweißende), gewünschte Bauart oder Aufgabe (Auf/Zu oder Regeln), Werkstoff, Betätigung (Hand, elektrisch, pneumatisch), Einbaulage und benötigte Zulassungen oder Zeugnisse (z. B. DVGW, 3.1). Mit diesen Angaben lässt sich eine Armatur eindeutig auslegen und anbieten.
Welche Anschlussarten gibt es bei Armaturen?
Am häufigsten sind Flanscharmaturen (Doppelflansch nach DIN EN 1092-1 bzw. ASME B16.5), Zwischenflanscharmaturen (Wafer zwischen zwei Rohrflansche gespannt oder Lug mit Gewindeaugen – typisch bei Absperrklappen), Gewindearmaturen mit Muffe Rp oder Außengewinde R (Gebäudetechnik bis etwa DN 50) sowie Armaturen mit Schweißenden oder Schweißmuffen für dauerhaft dichte Verbindungen. Kunststoffarmaturen werden per Klebemuffe, Schweißmuffe/IR-Stumpfschweißung oder über Verschraubungsenden angeschlossen.
Vertiefung und Sortiment
Vier Detailseiten sind online – weitere (Regel-, Sicherheitsarmaturen, Antriebe) folgen. Ihr Bedarf ist konkret? Direkt in den Shop oder anfragen.
Detailseite
Absperrarmaturen
Schieber, Sitzventil, Kugelhahn und Klappe im Vergleich.
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Rückschlagarmaturen
Hubteller, Klappe, Doppelflügel und Fußventil – selbsttätig gegen Rückfluss.
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Kugelhähne
Vom Messing-Gewindekugelhahn bis zur automatisierten Industriearmatur.
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Absperrklappen
Zentrisch bis tri-exzentrisch, Wafer bis Doppelflansch.
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Armaturen ab Lager
Absperrventile, Kugelhähne und Absperrklappen.
Anfrage
Armatur anfragen
Mit den Auswahlkriterien oben wird Ihre Anfrage eindeutig.
Fachliche Grundlage: eigenes Zickwolff-FAQ-Paket (Themenblock Armaturen) sowie freigegebene Partnerunterlagen von ARI-Armaturen, KSB, GESTRA, BEE und RuB/Bonomi (Bilder mit Freigabe); Baulängen nach EN 558-1/DIN 3202 aus eigener Datenschicht. Angaben ohne Gewähr – maßgeblich sind die aktuellen Normen und die technischen Unterlagen der Hersteller. Fachlich geprüft und freigegeben: Juli 2026; berücksichtigter Normen- und Herstellerstand: Juli 2026.