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Ratgeber · Armaturen

Häufige Fehler bei Auswahl, Bestellung und Einbau von Armaturen

Die meisten Armaturenschäden entstehen nicht im Betrieb, sondern bei Auswahl und Bestellung. Acht Fehler sehen wir in der Beratungspraxis immer wieder – hier sind sie, jeweils mit der typischen Folge und dem richtigen Vorgehen.

Fehler 1: Mit dem Schieber oder Standard-Kugelhahn drosseln

Folge: Die Schieberplatte schwingt in Zwischenstellung, Sitz und Platte erodieren; beim Kugelhahn frisst die Teilöffnung die Weichsitze – beide schließen bald nicht mehr dicht. Richtig: Absperrarmaturen ganz auf oder ganz zu; dauerhaft gedrosselt oder geregelt wird mit dem Stellventil (im Notfall-Bypass mit einem Sitzventil).

Fehler 2: Regelventil in Rohrnennweite bestellen

Folge: Der Kvs-Wert ist viel zu groß, das Ventil arbeitet fast geschlossen – die Regelung schwingt, Kegel und Sitz verschleißen im sitznahen Betrieb vorzeitig. Richtig: Kv-Bedarf aus Durchfluss, Dichte und Differenzdruck berechnen und das Ventil danach wählen – es ist häufig kleiner als die Leitung (Details).

Fehler 3: Rückschlagarmatur nur nach Nennweite wählen

Folge: Beim tatsächlichen Durchfluss öffnet der Teller nur teilweise, flattert, verschleißt und schließt schlagend – Druckstöße inklusive. Richtig: Über den vom Hersteller angegebenen Mindestdurchfluss für die Vollöffnung auslegen (Details).

Fehler 4: Baulänge bei der Austauschbestellung vergessen

Folge: Die neue Armatur hat DN und PN der alten – aber die falsche EN-558-Reihe und passt nicht zwischen die vorhandenen Flansche. Der Stillstand verlängert sich um eine komplette Lieferzeit. Richtig: Im Austauschfall immer die Baulänge zwischen den Dichtflächen messen oder die EN-558-Reihe angeben (Checkliste).

Fehler 5: Einbaulage und Freigang ignorieren

Folge: Rückschlagarmaturen ohne Feder schließen in der falschen Lage nicht; Klappenscheiben und Zwischenflansch- Teller stoßen in ausgekleideten Rohren an – die Armatur klemmt oder dichtet nie. Richtig: Nur die vom Hersteller freigegebenen Einbaulagen verwenden, Durchflussrichtung (Pfeil!) beachten und bei Zwischenflansch-Bauarten den Scheibenfreigang prüfen.

Fehler 6: Sicherheitsventil absperrbar machen oder Zuleitung drosseln

Folge: Ein abgesperrtes Sicherheitsventil kann im Störfall nicht abblasen – das Schutzorgan ist wirkungslos; eine zu enge Zuleitung lässt das Ventil flattern und zerstört den Sitz. Richtig: Keine wirksame Absperrung zwischen Druckraum und Sicherheitsventil (Wechselventile für den Wartungsfall), Zuleitung kurz und strömungsgünstig – und ein Überströmventil ist kein Ersatz für das Sicherheitsventil (Details).

Fehler 7: Antrieb ohne Sicherheitszuschlag auslegen

Folge: Das Losbrechmoment – gerade nach langen Stillständen und bei nicht schmierenden Medien ein Mehrfaches des Laufmoments – überfordert den Antrieb; die Armatur bleibt im Störfall mitten im Hub stehen. Richtig: Drehmoment mit medienabhängigem Sicherheitszuschlag auslegen und die Sicherheitsstellung bei Energieausfall festlegen (Details).

Fehler 8: Zeugnis und Schutzarmaturen erst nach der Lieferung bedenken

Folge: Ein nachträgliches 3.1-Zeugnis ist aufwendig und nicht immer möglich; ohne Schmutzfänger vor Regelventil, Druckminderer und Kondensatableiter leiden genau die empfindlichsten Armaturen zuerst. Richtig: Prüfbescheinigung nach DIN EN 10204 mit der Bestellung anfordern und Schutzarmaturen gleich mitplanen (Checkliste Punkt 9).

Das Muster hinter den Fehlern

Fast alle acht Fehler haben dieselbe Wurzel: Es wird nach Nennweite und Gewohnheit bestellt statt nach Aufgabe und Betriebsdaten. Die 10-Punkte-Checkliste fängt genau das ab. Und als Kaufleute mit über 100 Jahren Sortimentskenntnis gilt bei jeder Anfrage: Fällt uns an einer Position etwas auf, sagen wir es – bevor bestellt wird.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist der häufigste Fehler bei Armaturen überhaupt?

Das Drosseln mit Armaturen, die dafür nicht gebaut sind – allen voran der Absperrschieber in Zwischenstellung und der Standard-Kugelhahn in Teilöffnung. Beide verschleißen dabei binnen kurzer Zeit und schließen dann nicht mehr dicht. Dauerhafte Drossel- und Regelaufgaben gehören ins Stellventil.

Woran scheitern die meisten Austauschbestellungen?

An der Baulänge: DN und PN stimmen, aber die EN-558-Reihe der neuen Armatur passt nicht zur Lücke zwischen den vorhandenen Flanschen. Deshalb im Austauschfall immer die Baulänge zwischen den Dichtflächen messen oder die Reihe angeben – zusammen mit den Typenschildangaben ist die Bestellung dann eindeutig.

Wie vermeide ich diese Fehler am einfachsten?

Mit einer vollständigen Anfrage nach der 10-Punkte-Checkliste (Medium, Druck/Temperatur, DN, Anschluss, Baulänge, Aufgabe, Werkstoff, Betätigung mit Sicherheitsstellung, Zulassungen/Zeugnisse, Termin) – und im Zweifel mit einer kurzen Rückfrage vor der Bestellung. Die technische Auslegung bleibt Sache des Planers; aber fällt uns bei einer Anfrage oder Stückliste etwas auf, sagen wir es, bevor etwas Falsches im Zulauf liegt.

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Fachliche Grundlage: eigene Beratungspraxis und Zickwolff-FAQ-Paket (Themenblock Armaturen) sowie die Detailseiten des Armaturen-Clusters mit den dort genannten Quellen; Normbezüge EN 558, DIN EN 12266-1, DIN EN 10204. Angaben ohne Gewähr – maßgeblich sind die aktuellen Normen und die technischen Unterlagen der Hersteller. Redaktionell geprüft: Juli 2026. Berücksichtigter Normen- und Herstellerstand: Juli 2026.