Faustregel · gilt unter Bedingungen
Exzentrische Reduzierung: flache Seite oben – wann die Regel gilt und wann nicht
Exzentrische Reduzierung vor der Pumpe: flache Seite nach oben.
Diese Faustregel ersetzt die Auslegung und die jeweils gültige Norm nicht.
- Einordnung
- nur unter Bedingungen
- Normbezug
- DIN EN 10253-2 / -4 (Bauteil), ANSI/HI 9.6.6 und KSB-Kreiselpumpenlexikon (Einbau)
Merksatz
Damit sich in der waagerechten Saugleitung kein Luftpolster vor dem Pumpenstutzen bildet.
Woher kommt die Regel?
Aus dem Pumpenbau. Verjüngt sich eine waagerechte Saugleitung konzentrisch auf den kleineren Pumpenstutzen, entsteht oben im großen Rohr eine Tasche, in der sich Luft und Dampf sammeln. Die Blase wandert irgendwann in die Pumpe: Förderabriss, Geräusch, Schaden am Laufrad. Ein exzentrisches Reduzierstück mit durchgehender Oberkante („flat on top", FOT) hat oben keine Tasche; das Gas kann in Strömungsrichtung weiter. Der Merksatz ist so alt wie die Kreiselpumpe in der Industrie und steht sinngemäß in jeder Pumpen-Einbauanleitung.
Was ist technisch richtig?
Das exzentrische Reduzierstück nach EN 10253 ist ein Bauteil mit einer geraden und einer schrägen Mantellinie; die Einbaulage FOT oder FOB („flat on bottom") entsteht allein durch Drehen um 180 Grad – es ist dasselbe Teil. Der Versatz der Achsen beträgt (D − D1)/2. Physikalisch geht es um zwei Dinge, die sich am selben Bauteil widersprechen: Luft sammelt sich oben, Feststoffe und Kondensat unten. Wer die Oberkante durchgehend macht (FOT), nimmt der Luft die Tasche, gibt aber den Feststoffen unten eine; wer die Unterkante durchgehend macht (FOB), entleert restlos und lässt nichts absetzen, schafft aber oben die Luftfalle. Deshalb gilt der Merksatz für die Saugseite bei Flüssigkeiten ohne Feststoffe in waagerechter Leitung – das ist der häufigste Fall, und dort ist er richtig.
Wo endet die Regel?
- Zulauf von oben (Flüssigkeit kommt aus einem höher liegenden Behälter senkrecht oder fallend zur Pumpe): Hier kann sich in der FOT-Lage vor dem Stutzen eine Tasche bilden, die nicht entlüftet; verbreitet ist dann FOB, damit die Leitung zum Stutzen hin durchgehend fällt. Maßgebend ist die Leitungsführung, nicht der Merksatz.
- Feststoffhaltige oder mehrphasige Medien (Schlämme, Suspensionen): FOT lässt Feststoffe in der unteren Tasche absetzen; oft wird FOB oder eine geneigte Leitung gewählt. Mit dem Pumpenhersteller klären.
- Senkrechte Leitungen: Keine Oberkante, keine Unterkante – dort ist ein konzentrisches Reduzierstück richtig.
- Druckseite: Die Luftfalle spielt keine Rolle mehr; dort entscheidet, ob die Leitung restlos entleerbar sein soll (FOB) oder ob Halterung und Rohrbrücke eine durchgehende Unterkante brauchen.
- Gerade Strecke: Auch das richtige Reduzierstück ersetzt nicht die Beruhigungsstrecke vor dem Pumpenstutzen; die Hersteller nennen dafür Richtwerte in Vielfachen des Durchmessers (KSB und HI 9.6.6: als Orientierung mehrere Nennweiten, je nach Störung davor).
Was sagt die Norm?
Für das Bauteil DIN EN 10253-2 (Stahl) und -4 (Edelstahl): Maße, Wanddicken, Baulänge L, Typ A/B – nichts zur Einbaulage. Die Einbauregel ist Anlagenbau-Praxis; sie steht in Pumpenherstellerunterlagen (KSB) und in der Hydraulic-Institute-Empfehlung ANSI/HI 9.6.6 zur Pumpenverrohrung. Eine Norm, die FOT vorschreibt, gibt es nicht – und so wird die Regel auf der Seite auch nicht dargestellt.
DIN/EN versus ASME/ASTM
Das exzentrische Reduzierstück gibt es in beiden Welten (ASME B16.9 „eccentric reducer"), die Einbauregel ist dieselbe; das Vokabular FOT/FOB stammt aus dem englischsprachigen Anlagenbau und hat sich hier durchgesetzt. Ein Unterschied liegt in der Baulänge: ASME B16.9 und EN 10253 legen L je Größe verschieden fest – beim Ersatz eines Teils durch das andere verschiebt sich der Pumpenstutzen.
Praxisbeispiel
Exzentrisches Reduzierstück 114,3 × 88,9 (DN 100 auf DN 80, Kernsortiment) vor einer Pumpe mit Saugstutzen DN 80 in waagerechter Zulaufleitung DN 100, Medium Wasser: Einbau FOT, Versatz der Achsen 12,7 mm – das Reduzierstück verlegt die Rohrachse um diesen Betrag nach unten, was in der Isometrie eingezeichnet sein muss, sonst passt der Flansch am Stutzen nicht. Dasselbe Teil aus derselben Kiste, um 180 Grad gedreht, wäre die FOB-Lage für die restlos entleerbare Druckleitung hinter derselben Pumpe.
Heute überprüft
Ampel: trifft unter Bedingungen zu (Klasse B). Richtig für die waagerechte Saugleitung mit sauberer Flüssigkeit – der Regelfall. Bei Zulauf von oben, Feststoffen, senkrechter Leitung und auf der Druckseite entscheidet die Leitungsführung, nicht der Merksatz.
Weiterführende Links
- Reduzierstücke erklärt: konzentrisch/exzentrisch, FOT/FOB, DIN EN 10253 (DIN 2616) – Reduzierstücke: konzentrisch oder exzentrisch, FOT/FOB und Normen (mit Zeichnung)
- Reduzierstücke aus Stahl: DIN EN 10253-2, konzentrisch und exzentrisch, Maße – Maßübersicht Stahl mit Baulänge L
- Reduzierstücke aus Edelstahl: DIN EN 10253-4, konzentrisch und exzentrisch, Maße – Maßübersicht Edelstahl mit Baulänge L
- Häufige Fehler bei Armaturen – und wie Sie sie vermeiden – Häufige Fehler in der Armaturen- und Rohrleitungsplanung
Häufige Fragen
Flache Seite oben oder unten?
Vor der Pumpe in waagerechter Saugleitung oben (FOT), damit keine Luft vor dem Stutzen steht. Auf der Druckseite und bei restlos zu entleerenden Leitungen unten (FOB).
Ist FOT ein anderes Bauteil als FOB?
Nein. Es ist dasselbe exzentrische Reduzierstück, um 180 Grad gedreht eingebaut.
Gilt die Regel auch bei Zulauf von oben?
Nicht pauschal. Fällt die Leitung zur Pumpe, kann FOB die bessere Lage sein – Leitungsführung und Pumpenhersteller entscheiden.