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Kugelhähne: vom Messing-Gewindekugelhahn bis zur Industriearmatur

Der Kugelhahn ist die meistverbaute Absperrarmatur: eine Vierteldrehung, höchste Dichtheitsklassen (blasendicht, Leckrate A nach DIN EN 12266) und bei geeigneten Medien wartungsarm über viele Schaltspiele. Zwischen dem Messing-Kugelhahn der Gebäudetechnik und dem automatisierten Stahlguss-Flanschkugelhahn der Prozessindustrie liegen aber Welten – diese Seite erklärt Lagerung, Durchgang, Bauformen, Werkstoffe und Zulassungen, mit dem RuB- und BEE-Programm aus unserem Sortiment als roten Faden.

Bewegung
drehend 90°
Normen
DIN EN 1983 · EN 331 · DIN EN 13828
Anschlüsse
Gewinde · Flansch · Schweißende
Automatisierung
DIN ISO 5211

Funktionsprinzip und Lagerung der Kugel

Im Kugelhahn dreht eine durchbohrte Kugel um 90 Grad zwischen Auf und Zu. PTFE-Sitze mit flexibler Lippe schmiegen sich an die Kugel – das ergibt Abschluss in höchster Dichtheitsklasse (blasendicht, Leckrate A nach DIN EN 12266) ohne Nachstellen. Wie die Kugel gelagert ist, entscheidet über die Einsatzgrenzen:

Prinzipskizze Kugellagerung: schwimmende und zapfengelagerte Kugel Links die schwimmend gelagerte Kugel, die vom Betriebsdruck gegen den abströmseitigen Sitz gedrückt wird, rechts die zapfengelagerte Kugel (Trunnion) mit Lagerung oben und unten und federbelasteten Sitzen. Schwimmende Kugel Zapfengelagert (Trunnion) Druck p dichtet abströmseitig Druck p Welle (ausblassicher) Zapfen (Lagerung) federbelastete Sitze halten die Dichtung
Prinzipvergleich der Kugellagerung: Die schwimmende Kugel (links) wandert unter Betriebsdruck minimal mit und dichtet am abströmseitigen Sitz – bei großen Nennweiten und Drücken wird die Sitzbelastung zu hoch. Die zapfengelagerte Kugel (rechts) ist oben und unten geführt; federbelastete Sitze übernehmen die Dichtung. Eigene Schemazeichnung.

Konstruktiv wichtig ist außerdem die ausblassichere Schaltwelle: von innen montiert und im Gehäuse gehalten, kann sie auch bei versagender Wellenabdichtung nicht vom Innendruck herausgedrückt werden. Hochwertige Baureihen führen die Wellenabdichtung als federvorgespannte PTFE-Tellerdichtung aus, die Setzverhalten selbsttätig ausgleicht.

Bauformen

Gewindekugelhähne: von der Gebäudetechnik bis PN 100

Messing-Kugelhahn RuB s.90 mit rotem Stahlhebel, vernickelt
Warmgepresster Messing-Kugelhahn mit vollem Durchgang (RuB s.90, Zickwolff-Lagerprogramm). Bild: RuB/Bonomi
Stahl-Hochdruckkugelhahn BEE 87S PN 100 mit Hebelgriff und Aufbauflansch
Stahl-Gewindekugelhahn für PN 100 mit ISO-5211-Aufbauflansch (BEE Serie 87). Bild: BEE

Das Arbeitstier der Gebäude- und Anlagentechnik ist der Messing-Kugelhahn (warmgepresst aus CW617N, meist vernickelt) mit Innengewinde Rp oder Außengewinde R – im Zickwolff-Lager als RuB-Programm vom Hebel- bis zum Flügelgriff. Industrielle Gewindekugelhähne gehen weit darüber hinaus: Baureihen aus Stahl oder Edelstahl 1.4408 decken Drücke bis PN 63/100 und Temperaturen bis über 200 °C ab (z. B. BEE-Serien 87/87E), mit Gewinde nach DIN EN 10226-1 und häufig bereits angegossenem ISO-5211-Aufbauflansch für die spätere Automatisierung. Für Öle, Kraftstoffe und Druckluft dominieren Messing-Industrieserien mit FKM-Dichtungen (z. B. BEE Serie 990, RuB s.33) – durchgängig mit vollem Durchgang und ausblassicherer Welle.

Flanschkugelhähne: die Industrie-Bauform

Blauer Stahlguss-Flanschkugelhahn BEE 71MSA PN 16 mit ISO-5211-Montageflansch
Stahlguss-Flanschkugelhahn in Baulänge DIN EN 558 Reihe 27 mit ISO-5211-Montageflansch (BEE 71MSA). Bild: BEE

In der Industrie ist der Flanschkugelhahn der Standard: Gehäuse aus Stahlguss oder Edelstahl (1.4408), Flansche nach DIN EN 1092-1, Baulängen nach DIN EN 558 (verbreitet Reihe 27), Produktnorm für Stahl-Industriekugelhähne ist DIN EN 1983. Moderne Baureihen sind modular aufgebaut – wählbare Dichtsysteme für Medien von Wärmeträgeröl über Sauerstoff bis Wasserstoff, Fire-Safe- Ausführung, TA-Luft-Zulassung nach DIN EN ISO 15848 und ATEX-Eignung (z. B. BEE-Baureihe 71M in Stahlguss und Edelstahl, DN 15–200, PN 16/40). Für die Gasversorgung kommen Sphäroguss-Flanschkugelhähne mit DVGW-Zulassung nach DIN EN 13774 und HTB-Anforderung nach DIN EN 1775 dazu, zunehmend H2-geeignet. Mehrwege-Kugelhähne (3-Wege in L- oder T-Bohrung) übernehmen Verteil- und Mischaufgaben.

Zulassungen

Zulassungen und Auswahl

Wichtige Regelwerke und Zulassungen für Kugelhähne (Auswahl)
AnwendungRegelwerk/ZulassungKernpunkt
Stahl-IndustriekugelhähneDIN EN 1983Produktnorm inkl. Durchgang, Prüfung, Ausblassicherheit
GasinstallationEN 331 + DVGW, HTBDichtheit auch nach Brandeinwirkung
Gasversorgung (Flansch)DIN EN 13774 + DIN EN 1775Netzarmaturen, HTB
TrinkwasserDIN EN 13828 + DVGW WZulassung je Baureihe, Werkstoff-Konformität
Emissionen/SpindelTA Luft, DIN EN ISO 15848äußere Dichtheit der Wellenabdichtung
Ex-BereichATEX 2014/34/EUEinsatz in explosionsgefährdeten Zonen
BrandfallFire-Safe (z. B. ISO 10497)Restdichtheit nach Feuereinwirkung
WasserstoffH2-Eignung je BaureiheWerkstoff- und Dichtungswahl, Herstellernachweis

Für die Auswahl gelten die allgemeinen Armaturen-Auswahlkriterien; beim Kugelhahn kommen dazu: voller oder reduzierter Durchgang, Lagerungsart (ab großen Nennweiten/Drücken Trunnion), das Dichtsystem passend zum Medium – und bei geplanter Automatisierung der ISO-5211-Anschluss samt Drehmomentauslegung. Elektrische und pneumatische Antriebe lassen sich bei den Industriebaureihen ab Werk anbauen.

FAQ

Häufige Fragen zu Kugelhähnen

Was ist der Unterschied zwischen schwimmender und zapfengelagerter Kugel?

Bei der schwimmend gelagerten Kugel drückt der Betriebsdruck die Kugel gegen den abströmseitigen Sitz – einfach und dicht, aber die Sitzbelastung wächst mit Druck und Nennweite. Beim zapfengelagerten Kugelhahn (Trunnion) ist die Kugel über Welle und Zapfen fixiert, federbelastete Sitze übernehmen die Dichtung – die Bauart für große Nennweiten und hohe Drücke.

Was bedeutet voller Durchgang beim Kugelhahn?

Die Bohrung der Kugel entspricht etwa dem Rohrinnendurchmesser (bei Stahl-Industriekugelhähnen geregelt über DIN EN 1983, bei Gewindekugelhähnen häufig nach DIN 3357-Systematik) – der Druckverlust ist praktisch null und die Leitung bleibt molchbar. Reduzierte Durchgänge sind günstiger und kompakter, kosten aber Kv-Wert; für Auf/Zu-Anwendungen ohne enge Druckverlustvorgabe sind sie oft ausreichend.

Welche Zulassungen brauchen Kugelhähne für Gas und Trinkwasser?

Für die Gasinstallation gelten EN 331 mit DVGW-Zertifizierung inklusive HTB-Anforderung (Dichtheit auch nach Brandeinwirkung, geprüft für höhere thermische Belastung); für Trinkwasser DIN EN 13828 mit DVGW-W-Zulassung. Industrielle Zusatzanforderungen sind u. a. ATEX für Ex-Bereiche, TA-Luft/DIN EN ISO 15848 für die Spindelabdichtung, Fire-Safe-Ausführungen und zunehmend Wasserstoff-Eignung (H2-Ready). Die Zulassung gilt immer je Baureihe.

Was ist eine ausblassichere Schaltwelle?

Die Welle wird von innen montiert und über eine Schulter im Gehäuse gehalten – selbst wenn die äußere Wellenabdichtung versagt oder die Verschraubung gelöst wird, kann der Innendruck die Welle nicht nach außen drücken. Bei industriellen Kugelhähnen ist diese Bauweise Standard und in den einschlägigen Produktnormen verankert.

Wie werden Kugelhähne automatisiert?

Über den genormten Montageflansch nach DIN ISO 5211 lassen sich elektrische oder pneumatische Schwenkantriebe direkt oder über eine Konsole aufbauen; viele Baureihen sind ab Werk mit angebautem Antrieb lieferbar. Wichtig bei der Auslegung: das erforderliche Drehmoment steigt mit Druck und Nennweite, und automatisierte Ausführungen können andere zulässige Differenzdrücke haben als die Handversion.

Sind Kugelhähne zum Drosseln geeignet?

Nur bedingt. In Zwischenstellung strömt das Medium mit hoher Geschwindigkeit über die Kanten der Kugelbohrung – Sitze und Kugel verschleißen, und es drohen Kavitation und Geräusche. Für Regelaufgaben gehören Regelventile oder speziell ausgeführte Regelkugelhähne mit geformter Blende in die Leitung; der Standard-Kugelhahn bleibt ganz offen oder ganz zu.

Vertiefung und Sortiment

RuB-Kugelhähne ab Lager, BEE-Industrie- und Sicherheitskugelhähne auf kurzem Weg – vom Messing-Hebelkugelhahn bis zur automatisierten Ex-Ausführung.

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Fachliche Grundlage: eigenes Zickwolff-FAQ-Paket (Themenblock Kugelhähne) sowie freigegebene Partnerunterlagen von BEE (Gesamtkatalog 01/2026: Baureihen 71M, 87/87E, 990, KSN; Bilder mit Freigabe) und RuB/Bonomi (Datenblätter s.90/s.33); Normfakten zu DIN EN 1983, EN 331, DIN EN 13828, DIN EN 13774, DIN ISO 5211 und DIN EN ISO 15848. Angaben ohne Gewähr – maßgeblich sind die aktuellen Normen und die technischen Unterlagen der Hersteller. Fachlich geprüft und freigegeben: Juli 2026; berücksichtigter Normen- und Herstellerstand: Juli 2026.