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Auswahlhilfe · Rohrabschlüsse

Rohrende verschließen: Kappe, Boden, Blindflansch, Stopfen oder Steckscheibe

Ein Rohrende zu schließen ist keine Frage der Maße, sondern der Absicht. Fünf Bauteile kommen dafür in Frage, und sie unterscheiden sich weniger in dem, was sie kosten, als in dem, was sie später erlauben. Diese Seite stellt sie nebeneinander – und sagt dazu, was die Norm regelt und was sie ausdrücklich offenlässt.

Wann nimmt man was?

Rohrende verschließen: Kappe, Klöpperboden, Blindflansch, Stopfen, Steckscheibe – oder nur eine Schutzkappe?

Ein Rohrende lässt sich auf sechs Arten verschließen, und keine davon ist „die richtige“ – jede beantwortet eine andere Frage. Drei Fragen genügen, um die Auswahl auf ein oder zwei Teile einzugrenzen:

  • Dauerhaft dicht – oder wieder auf? Geschweißt (Kappe, Klöpperboden) ist endgültig; lösbar sind Blindflansch, Gewindeverschluss und Steckscheibe. Geht es nur um Schmutz bei Transport und Lagerung, reicht die Schutzkappe aus Kunststoff.
  • Muss die Stelle im Betrieb gesperrt werden können? Dann geht es nicht um einen Abschluss, sondern um eine Trennung: die Steck- oder Brillenscheibe für die sichere, sichtbare Trennung bei Wartung – oder eine Armatur, wenn regelmäßig geschaltet wird; die günstige Bauart dafür ist die Absperrklappe, bei uns lagernd.
  • Wie groß ist die Nennweite? Gewindeverschlüsse enden bei 4 Zoll, Steckscheiben werden bei großen Nennweiten schwer; Kappen, Böden und Blindflansche gibt es in unseren Maßübersichten bis ⌀ 1 219 bzw. 610 und DN 800 – darüber nach Kundenspezifikation.

Die sechs Verschlussarten im Vergleich

MerkmalKappeGewölbter Boden (Klöpperboden)BlindflanschStopfen / Verschlusskappe / VerschlussschraubeSteck- / BrillenscheibeSchutzkappe / Schutzstopfen (Kunststoff)
Bild Schweißkappe aus Stahl nach DIN 2617, stumpf anzuschweißen Stopfen aus verzinktem Temperguss mit Außengewinde, Vierkant und Bund – er geht ins RohrSechskantkappe aus Edelstahl mit Innengewinde – sie geht über das Rohr Schema: Steckscheibe aus zwei getrennten Teilen, Brillenscheibe als ein geschwenktes Teil Foto folgt
Genormt nachDIN EN 10253-2 (Stahl), DIN EN 10253-4 (nichtrostend); früher DIN 2617DIN 28011 (Klöpperboden, Behälterbau); als Formstück „end“ DIN EN 10253-4DIN EN 1092-1 Typ 05; früher DIN 2527Gewindefittings: DIN EN 10242 (Temperguss), ISO 4144 / DIN EN 10241 (Edelstahl), Gewinde DIN EN 10226-1keine EN-Norm; ASME B16.48ungenormt
Verbindungstumpf eingeschweißt EN 10253, 11.3eingeschweißt EN 10253-4, 11.1.5; DIN 28011geschraubt – braucht Vorschweiß- oder Losflansch am Rohr EN 1092-1Gewinde: der Stopfen schraubt ins Rohr (Innengewinde), die Verschlusskappe auf das Außengewinde am Rohrzwischen zwei Flansche, zwei Dichtungenaufgesteckt oder eingesteckt, ohne Werkzeug
Wieder zu öffnen?nein – nur durch Trennennein – nur durch Trennen, wie die Kappejajaja, wechselweise offen/zu mit sichtbarer Stellungja, von Hand
Größenbereich⌀ 21,3 – 1 219 in unseren Maßtabellen; größer nach Kundenspezifikation, gedrückt in der Bödenpresserei Tabelle A.4 / A.12⌀ 17,2 – 610 als Formstück nach EN 10253-4; als Klöpperboden nach DIN 28011 bis ⌀ 8 000, darüber nach Vereinbarung Tabelle A.13 / A.14; DIN 28011DN 10 – 800 in unseren Maßtabellen; die Norm nennt die Blattdicke des Typs 05 bei PN 6 bis DN 2 000, PN 10 bis DN 1 200, PN 16 bis DN 1 000, PN 25 und PN 40 bis DN 600 – darüber vom Besteller festzulegen; noch größer nach Kundenzeichnung EN 1092-1, Tabellen 11–15bis 4 Zoll½ – 24 Zoll; große Nennweiten als getrennte Scheibenach Rohr-Außen- bzw. Innendurchmesser
Bauhöhe am Rohrendehoch – z. B. ⌀ 219,1 → 102 mm Tabelle A.12flach – z. B. ⌀ 219,1 → 62,5 mm Tabelle A.13Blattdicke plus Flansch und Schrauben, z. B. DN 200 PN 16: Blatt 24 mm EN 1092-1, Tabelle 12minimalScheibendicke; die Brille braucht Drehraumgering
Druckträgt den Rohrdruck – Typ A oder Typ B (verstärkter Körper) EN 10253, 5.3.5, Anhang C/Dkeine Berechnungsregel in der Norm – Verantwortung des Anwenders EN 10253-4, 11.1.5 Anm. 2nach Druckstufe PN EN 1092-1nach Herstellerangabenach Flanschklasse; Dickenregeldrucklos – nur Schmutz- und Transportschutz, kein Verschluss unter Druck
WerkstoffStahl, nichtrostender StahlStahl und nichtrostender Stahl (DIN 28011); als EN-10253-Formstück nur nichtrostend DIN 28011alle Werkstoffgruppen der EN 1092-1Temperguss, Edelstahlwie Flansch und RohrKunststoff (PE)
Typischer EinsatzLeitungsende, Stutzenverschluss, SammlerBehälter- und Apparateboden, flacher RohrabschlussRevision, Reinigung, spätere Erweiterung, DruckprüfungEntleerung, Messstutzen, kleine Abgängesichere Trennung bei Wartung, Sperren im BetriebTransport, Lagerung, Baustelle – hält Schmutz aus dem Rohr
Kostengünstiggünstigteurer – Flansch, Dichtung, Schrauben kommen dazugünstigbei großen Nennweiten schwer und teuersehr günstig

Norm-Fundstellen: DIN EN 10253-2:2026-07 und DIN EN 10253-4:2025-10 (Kappen, gewölbte Böden), DIN EN 1092-1:2018-12 (Blindflansche), DIN 28011. Einsatz-, Montage- und Kostenangaben aus Zickwolff-Handelspraxis und Fachquellen zum Rohrleitungsbau (Stand August 2026).

Für und Wider

Kappe

Dauerhaft zu – die kompakte Lösung

  • dicht, kompakt, günstig – wie ein Formstück zu schweißen
  • Typ A oder Typ B wählbar: Typ B verstärkt die Wand am Körper, weil die Krempe die schwache Stelle ist EN 10253, 5.3.5, Anhang B/C/D
  • nur durch Trennen zu öffnen, kein Zugang
  • baut höher als der gewölbte Boden (langer Bord) A.12 gegen A.13

Gewölbter Boden (Klöpperboden)

Flach und aus dem Behälterbau

  • flache Bauhöhe, Klöpperform DIN 28011 – in Stahl und nichtrostendem Stahl lieferbar Bild 14; DIN 28011
  • als Formstück der EN 10253-4 genormt (Teil 2 kennt ihn nicht) 11.1.5
  • dauerhaft dicht wie die Kappe, nur durch Trennen zu öffnen
  • keine Berechnungsregel und kein Ausnutzungsgrad in der EN 10253 11.1.5 Anm. 2, C.5 Anm.

Blindflansch

Gelegentlich öffnen

  • lösbar – Revision, Reinigung, spätere Erweiterung, Druckprüfung
  • alle Druckstufen, alle Werkstoffgruppen EN 1092-1
  • braucht einen Flansch am Rohr, Dichtung und Schrauben – Kosten und Gewicht
  • keine sichtbare Stellungsanzeige, jedes Öffnen löst alle Schrauben

Stopfen / Verschlusskappe / Verschlussschraube

Klein, ohne Schweißen

  • kleinste Lösung, lösbar, kein Schweißen
  • zwei Formen: der Stopfen mit Außengewinde schraubt ins Rohr (Innengewinde), die Verschlusskappe mit Innengewinde auf das Außengewinde am Rohr
  • nur kleine Nennweiten; Gewindedichtung
  • Druckeignung nach Herstellerangabe

Steck- / Brillenscheibe

Sperren im Betrieb, sichtbar

  • sichere Trennung, Stellung von außen erkennbar, günstiger als eine Armatur
  • wer die Stelle regelmäßig schaltet, nimmt statt der Scheibe eine Armatur – die Absperrklappe (DIN EN 593) ist die günstige, kurz bauende Bauart, bei uns lagernd; Näheres auf der Armaturenseite
  • zwei Dichtungen, Umstecken nur drucklos
  • Brille braucht Drehraum; bei großen Nennweiten schwer – dann getrennte Scheibe und Ring

Schutzkappe / Schutzstopfen (Kunststoff)

Kein Verschluss – ein Schutz

  • hält Schmutz und Fremdkörper bei Transport, Lagerung und auf der Baustelle aus dem Rohr
  • von Hand aufzustecken und abzunehmen, sehr günstig
  • drucklos – ersetzt keinen der fünf anderen Verschlüsse
  • im Markt oft „Rohrkappe“ oder „Endkappe“ genannt und mit der Schweißkappe verwechselt

Was die Norm sagt – und was nicht. DIN EN 10253-4 bezeichnet Kappe („cap“) und gewölbten Boden („end“) mit Bauart, Typ A/B, Außendurchmesser und Wanddicke; Teil 2 kennt nur die Kappe. Für gewölbte Böden nennt die Norm ausdrücklich keine Berechnungsregel, und die Ausnutzungsgrade der Tabelle C.5 gelten nicht für sie. Einige Maße entsprechen nicht allen technischen Regeln, etwa der EN 13480-3 – es sind marktübliche Standardmaße, die zu vereinbaren sind. Durchfluss-Kriterium und Wellenbildung gelten für Kappen und Böden nicht. DIN 28011 (Klöpperform) und DIN 28013 (Korbbogenform) sind Behälterboden-Normen; sie dienen hier nur dem Formvergleich.

Begriffe, die im Markt durcheinandergehen

Kappe · Schweißkappe · Boden
dasselbe Teil: der eingeschweißte Abschluss nach EN 10253 („cap“), im Handel oft noch „Kappe DIN 2617“.
Gewölbter Boden · Klöpperboden
der flache Abschluss nach EN 10253-4 („end“) bzw. der Behälterboden DIN 28011 – gleiche Form, zwei Normen.
Korbbogenboden
tiefer gewölbter Behälterboden DIN 28013; die Rechenannahme der EN-Kappe entspricht dieser Form.
Rohrkappe · Endkappe · Schutzkappe · Schutzstopfen
meist die drucklose Kunststoffkappe bzw. der Kunststoffstopfen für Transport, Lagerung und Baustelle – nicht die Schweißkappe.
Blindflansch · Blindscheibe
der Flansch ohne Durchgang nach EN 1092-1 Typ 05; „Blindscheibe“ meint oft die Steckscheibe.
Steckscheibe · Brillenscheibe · Spade
Scheibe zwischen zwei Flanschen; die Brille vereint Scheibe und Ring in einem Teil.
Stopfen · Verschlusskappe · Verschlussschraube · Plug
Gewindeverschlüsse: der Stopfen hat Außengewinde (in Fitting oder Muffe), die Verschlusskappe Innengewinde (auf das Rohrgewinde).

Wissenswert: Bei der Kappe ist die Krempe – der Übergang vom Bord in die Wölbung – die Stelle, die den Innendruck am schlechtesten trägt. Deshalb kennt die Norm den Typ B mit verstärkter Wand am Körper; wer eine Kappe nach Druck auslegt, wählt dort. EN 10253, Anhang B.4.6 / B.5.5

Grenzen

Was diese Seite nicht sagt

Vier Dinge stehen bewusst nicht auf dieser Seite. Sie fehlen nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil eine Antwort darauf im Augenblick geraten wäre – und eine geratene Angabe ist schlechter als keine.

  • Keine Druckgrenze für den Stopfen. Die öffentlich zugänglichen Quellen widersprechen sich darüber. Eine davon zu übernehmen hieße, eine Streitfrage als Tatsache zu drucken. Für einen konkreten Fall fragen Sie uns – mit Nennweite, Werkstoff, Medium und Betriebsdruck.
  • Keine Preise und keine Preisreihung. Was zu jeder Lösung dazugehört, steht in der Tabelle und ist zählbar; was es kostet, hängt an Größe, Werkstoff, Menge und Tag.
  • Keine Aussage darüber, was bei uns am Lager liegt. Die Lieferbarkeit steht auf den Maßseiten und im Sortiment, nicht in einer Auswahlhilfe.
  • Keine Auslegung. Ob ein Abschluss für Ihren Betriebsfall geeignet ist, entscheidet die Prüfung der Betriebsbedingungen – nicht ein Vergleich von Bauformen.

Häufige Fragen

Kappe oder Blindflansch?

Soll das Ende dauerhaft zubleiben, ist die Kappe die einfachere und kompaktere Lösung – sie wird eingeschweißt und lässt sich nur durch Trennen wieder öffnen. Soll die Stelle für Revision, Reinigung oder eine spätere Erweiterung wieder aufgehen, führt kein Weg am Blindflansch vorbei; dafür braucht das Rohr einen Flansch, eine Dichtung und Schrauben.

Was ist der Unterschied zwischen einer Kappe und einem gewölbten Boden?

Die Bauhöhe und die Wölbung. Die Kappe hat einen langen zylindrischen Bord und eine tiefere Wölbung und baut deshalb höher; der gewölbte Boden hat eine flachere Wölbung und einen kurzen Bord. Die Zahlen dazu stehen in der Vergleichstabelle oben. Dazu kommt der Unterschied in der Normlage: für den gewölbten Boden nennt die Norm keine Bestimmung des Ausnutzungsgrades.

Wozu eine Steckscheibe, wenn es Armaturen gibt?

Weil eine Armatur eine Leitung absperrt, aber nicht sichtbar trennt. Eine Steck- oder Brillenscheibe ist eine mechanische Trennung, deren Stellung sich von außen ablesen lässt – deshalb wird sie dort verlangt, wo für Wartungsarbeiten nachweislich getrennt sein muss. Zu öffnen und zu schließen ist sie nur im drucklosen Zustand.

Ich habe ein Teil und weiß nicht, was es ist.

Dann führt der Weg über die Kennzeichnung auf dem Teil oder über den Bauteil-Bestimmer: Maße eintragen, und die Seite nennt die Größen, deren Grenzmaße Ihre Messwerte einschließen.

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