Werkstoffe · Steckbrief
Ferritische Edelstähle: 1.4520 und 1.4521
Zwei Werkstoffnummern, die fast nur in Systemrohren vorkommen – und dort für Verwirrung sorgen: Der Magnet haftet, das Rohr ist trotzdem nicht rostend. Dieser Steckbrief sagt, was die beiden ferritischen Chromstähle sind, warum Viega und Sanha sie als Rohrwerkstoff nutzen, wo bei uns welcher liegt und wie Sie sie von Austenit und von unlegiertem Stahl unterscheiden.
- Familie
- Chromstähle ohne Nickel, ferritisches Gefüge – magnetisch
- Die zwei
- 1.4521 (X2CrMoTi18-2, mit Molybdän) · 1.4520 (X2CrTi17, ohne Molybdän)
- Wo bei uns
- 1.4521 als Systemrohr Sanpress, Sanpress Inox, NiroSan ECO · 1.4520 als Temponox-Rohr
- Erkennen
- Zeugnis und Stempel zuerst · Magnet haftet · Tüpfeltest trennt 1.4521 von 1.4520
Was die Nummer sagt
Beide Nummern beginnen mit „1.45“: nichtrostende Stähle, die ihre Beständigkeit allein dem Chrom verdanken – ohne Nickel. Der Kurzname macht den Unterschied sichtbar. X2CrTi17 (1.4520) ist ein hochlegierter Stahl mit sehr wenig Kohlenstoff (2 = rund 0,02 %), 17 % Chrom und einem Titanzusatz, der den Kohlenstoff bindet. X2CrMoTi18-2 (1.4521) trägt dazu rund 2 % Molybdän – das Element, das in der Austenit-Welt den 316 vom 304 trennt. Darum wird 1.4521 oft als „ferritischer 316“ beschrieben: ähnliche Beständigkeit gegen chloridhaltiges Wasser, aber ohne Nickel und mit anderem Gefüge.
| Werkstoff | Kurzname | Gebräuchlich | Was ihn ausmacht | Typischer Einsatz im Sortiment |
|---|---|---|---|---|
| 1.4521 | X2CrMoTi18-2 | Typ 444 | Chrom und Molybdän, titanstabilisiert, nickelfrei. Für Trinkwasser als Systemrohr zugelassen (Herstellerangabe), beständig gegen chloridinduzierte Spannungsrisskorrosion. | Systemrohr Viega Sanpress und Sanpress Inox, Sanha NiroSan ECO |
| 1.4520 | X2CrTi17 | – | Reiner Chromstahl mit Titan, ohne Molybdän. Wirtschaftlich, magnetisch, geringe Wärmeausdehnung – für geschlossene Kreise. | Systemrohr Viega Temponox (Heizen/Kühlen, braun gekennzeichnet) |
Kennelemente nach den Kurznamen EN 10027-1; Einsatz und Freigaben als Herstellerangaben der Systemhersteller (Viega-Katalog 2026, Viega-Medienliste, Sanha-Katalog 2026). Keine Analysebänder – die Zusammensetzung im Einzelnen steht im Werkszeugnis.
Warum Systemrohre ferritisch sind
Nickel ist das teuerste und preisschwankendste Legierungselement der Austenite. Ein ferritischer Chromstahl kommt ohne aus und bleibt im Trinkwasser beständig, wenn Chrom und – bei 1.4521 – Molybdän stimmen. Das ist der Grund, warum Viega sein Sanpress-Rohr in 1.4401 oder 1.4521 anbietet und Sanha den NiroSan ECO aus 1.4521 fertigt: gleiche Dimension, gleiche Verpressung, wirtschaftlicheres Rohr. Dazu kommen zwei physikalische Eigenschaften, die ferritische Stähle mit unlegiertem Stahl teilen: eine etwa um ein Drittel geringere Wärmeausdehnung als Austenit und eine höhere Wärmeleitfähigkeit. Im Heizkreis heißt das weniger Längenänderung zwischen Fest- und Gleitpunkt – das Argument, mit dem Viega das Temponox-Rohr aus 1.4520 begründet.
Was ferritische Stähle nicht können: Sie sind weniger zäh als Austenit, vor allem in der Kälte und in dicken Wanddicken, und sie lassen sich nicht so weit kaltumformen. Für dünnwandige Systemrohre mit Pressverbindung spielt das keine Rolle – für geschweißte Rohrleitungen der Verfahrenstechnik bleibt der Austenit die Regel. Deshalb führen wir 1.4520 und 1.4521 nur als Systemrohr, nicht als Rohr nach EN 10217-7 für den freien Rohrleitungsbau.
Sichtsatz: Wirtschaftlichkeit, Wärmeausdehnung und Einsatz als Herstellerangaben (Viega Temponox, Sanpress; Sanha NiroSan ECO); die Einordnung „Systemrohr, nicht Verfahrenstechnik“ ist unsere Sortimentsaussage.
Beispiele, wo der Werkstoff bei uns vorkommt
Das Register der Werkstoff-Welt führt je Werkstoff den Hausbezug: in welchem System er bei uns liegt und welche Seite ihn beschreibt.
| Werkstoff | Hausbezug | Beschreibende Seite |
|---|---|---|
| 1.4521 | Systemrohr der Edelstahl-Presssysteme für Trinkwasser (DVGW) – der Hersteller führt das Rohr je System in 1.4401 oder 1.4521, die Fittings bleiben austenitisch (1.4401, 1.4404) oder aus Rotguss/Siliziumbronze. | Viega Sanpress · Sanpress Inox · Sanha NiroSan |
| 1.4520 | Temponox-Rohr für Heizen und Kühlen, Verbinder 1.4301, braune Kennzeichnung – keine Trinkwasserzulassung | Viega Temponox |
Die Freigabe für Trinkwasser hängt am System, nicht an der Nummer: Die Systemrohre in 1.4521 sind nach Herstellerangabe für Trinkwasser zugelassen (DVGW), das Temponox-Rohr 1.4520 ausdrücklich nicht – es trägt dafür die braune Kennzeichnung. Der Hersteller gibt das Sanpress-Rohr (1.4401 oder 1.4521) auch für Temponox-Verbinder frei; umgekehrt bleibt Temponox-Rohr nur im Temponox-System. Welche Kombination erlaubt ist, steht auf der jeweiligen Systemseite; wir mischen nichts, was der Hersteller nicht freigibt.
Sichtsatz: Systemfreigaben und Kennzeichnung laut Viega-Katalog 2026 und Viega-Medienliste, Sanha-Katalog 2026; Lagerstufen nach unserem Wawi-Befund (Stand 10/2026: Temponox-Rohr lagernd).
Erkennen am Teil – in dieser Reihenfolge
1. Papier zuerst. Zeugnis, Lieferschein und der Rohrstempel nennen den Werkstoff; Systemrohre tragen ihn in der fortlaufenden Beschriftung. Jeder Test am Teil ist nur die zweite Meinung.
2. Der Magnet. Ferritischer Stahl haftet kräftig am Magneten – wie unlegierter Stahl. Haftet das Rohr, ist es Ferrit, Duplex oder C-Stahl; haftet es nicht, ist es Austenit. Der Magnet sagt also „nicht 1.4401“, aber nicht „kein Edelstahl“ – die häufigste Fehldeutung auf der Baustelle.
3. Rost und Farbe. Ein ferritisches Edelstahlrohr sieht aus wie Austenit: blank, metallisch, ohne Walzhaut. Ein verzinktes oder schwarzes C-Stahl-Rohr sieht anders aus – und rostet an der Schnittkante. Fremdrost täuscht; prüfen Sie an einer frischen Stelle.
4. Tüpfeltest. Die Molybdän-Nachweislösung verfärbt sich bei 1.4521 (mit Molybdän) und bleibt bei 1.4520 (ohne) blass – dieselbe Probe, die 304 von 316 trennt. Sie nennt die Familie, nicht die Werkstoffnummer.
Grenzsatz: Eine Werkstoffbestimmung am Teil nennt die vermutliche Familie – nicht Werkstoffnummer, Schmelze, Wärmebehandlung oder Eignung, und sie ersetzt keine Bescheinigung nach EN 10204. Wie Sie Zeugnis und Stempel lesen: Kennzeichnung lesen, Werkszeugnisse.
Was das Zeugnis zeigen muss
Systemrohr aus 1.4521 oder 1.4520 wird nicht wie Rohr nach EN 10217-7 mit Abnahmeprüfzeugnis 3.1 je Schmelze gehandelt – sein Nachweis ist die Systemzulassung des Herstellers (DVGW-Registriernummer, Werkstoffangabe im Katalog) und die fortlaufende Rohrbeschriftung mit Werkstoff, Maß, Hersteller und Chargenkennung. Wer für ein Projekt ein 3.1 auf das Rohr braucht, bestellt es ausdrücklich über das System; das Zeugnis nennt dann Werkstoffnummer, Schmelze, Analyse und Zugversuch – und bei ferritischen Stählen keine Lösungsglühung, sondern den geglühten Zustand. Ein Doppelzertifikat mit einem Austenit gibt es nicht: Werkszeugnisse nach EN 10204 · Zeugnis-Checkliste.
Zwei Welten: EN-Nummer und ASTM-Typ
1.4521 hat in der ASTM-Welt ein Gegenstück: den Typ 444 (UNS S44400), der ferritische Chrom-Molybdän-Stahl der Wärmetauscher- und Trinkwasserrohre. Gleiche Legierung, nicht derselbe Werkstoff – Analysebänder und Prüfprogramme der Erzeugnisnormen weichen ab, und eine Doppelzertifizierung ist bei Systemrohren nicht üblich, weil das Rohr ohnehin nur im System verkauft wird. Für 1.4520 gibt es kein im Rohrleitungshandel geläufiges ASTM-Gegenstück. Wer ein ferritisches Rohr in einer ASTM-Stückliste findet, fragt den Systemhersteller – unsere Zwei-Welten-Tabelle führt die Austenite und Duplex: Werkstoffe zwischen den Welten.
Die typischen Verwechslungen
„Der Magnet haftet, also ist es verzinkter Stahl.“ Nein – Ferrit haftet immer. Entscheidend ist der Stempel: Steht 1.4521 oder 1.4520 auf dem Rohr, ist es ein nichtrostender Stahl.
„Edelstahl rostet nicht.“ Der häufigste Irrtum überhaupt – in zwei Stufen. Erstens heißt „Edelstahl“ nicht „nichtrostend“: Edelstahl ist nach der Stahldefinition jeder legierte oder unlegierte Stahl mit besonderem Reinheitsgrad (wenig Schwefel und Phosphor) – darunter sind auch Werkzeug- und Vergütungsstähle, die rosten wie jeder andere. Was gemeint ist, heißt nichtrostender Stahl (Edelstahl Rostfrei, mindestens 10,5 % Chrom); das Englische sagt es ehrlicher: stainless – fleckenarm, nicht rostfrei. Zweitens ist auch ein nichtrostender Stahl nur so beständig, wie seine Passivschicht hält: Chloride aus Meerluft, Streusalz oder gechlortem Wasser, Schwefeldioxid in Industrieluft, eingetrocknete Ablagerungen ohne Reinigung, enge Spalte und das Medium in der Leitung können sie durchbrechen – dann zeigt auch 1.4521 oder 1.4404 Lochfraß, Spaltkorrosion oder Rostflecken. Welcher Werkstoff wo beständig ist, legt der Planer nach Korrosionswiderstandsklasse und Herstellerunterlage fest, nicht nach dem Namen.
„1.4521 ist ein 316L.“ Nein. Beide haben Molybdän, aber 1.4521 ist nickelfrei und ferritisch; Festigkeit, Zähigkeit und Wärmeausdehnung sind andere. In einer Stückliste, die 1.4404 fordert, ist 1.4521 kein Ersatz – und umgekehrt.
„Temponox-Rohr geht auch für Trinkwasser, ist ja Edelstahl.“ Nein – das Rohr 1.4520 hat keine Trinkwasserzulassung, das System ist für geschlossene Kreise gebaut und braun gekennzeichnet (Herstellerangabe Viega).
„Ferrit gibt es auch als L-Güte.“ Nein – ferritische Stähle brauchen keine L-Variante: Titan bindet den Kohlenstoff, deshalb steht die „2“ für den niedrigen Kohlenstoff schon im Kurznamen.
Weiter im Thema
Die Werkstoff-Welt: Austenitische Edelstähle · C-Stähle und warmfeste Stähle · Werkstoffe zwischen den Welten · Werkstoffübersicht.
Aus dem Bestand: Viega Sanpress · Sanpress Inox · Viega Temponox · Sanha NiroSan · Mischinstallation und Korrosion · Kennzeichnung lesen.
Häufige Fragen
Was für ein Edelstahl ist 1.4521?
Ein ferritischer Chrom-Molybdän-Stahl ohne Nickel (X2CrMoTi18-2, im ASTM-Umfeld Typ 444) - magnetisch und trotzdem nichtrostend.
Ist 1.4521 für Trinkwasser geeignet?
Als Systemrohr ja – Viega Sanpress und Sanha NiroSan ECO führen das Rohr 1.4521 mit DVGW-Zulassung (Herstellerangabe). Die Zulassung gilt für das System aus Rohr, Verbinder und Dichtelement, nicht für die Werkstoffnummer allein.
Warum haftet der Magnet an meinem Edelstahlrohr?
Weil es ferritisch ist: 1.4520 und 1.4521 sind magnetisch wie unlegierter Stahl. Austenitische Edelstähle (1.4301, 1.4401 …) haften nicht – außer an kaltverformten Stellen.
Kann ich 1.4521 mit 1.4401-Fittings mischen?
Innerhalb des Systems ja – genau so sind Sanpress Inox und NiroSan ECO gebaut (Rohr 1.4521, Fittings 1.4401 bzw. 1.4404). Außerhalb der Systemfreigabe nicht.
Dehnt sich ein ferritisches Rohr anders aus?
Ja, etwa um ein Drittel weniger als Austenit – nach Herstellerangabe der Grund, warum Temponox im Heizkreis mit weniger Dehnungsausgleich auskommt. Die Werte je System stehen in den Herstellerunterlagen.
Sanpress, NiroSan oder Temponox?
Nennen Sie uns Medium, Dimension und ob es Trinkwasser ist – wir sagen Ihnen, welches System mit welchem Rohrwerkstoff passt und was ab Lager geht.
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Schreiben Sie dazu, bis wann Sie das Material brauchen – wir sagen Ihnen, was möglich ist.
Stand 24.10.2026. Werkstoffaussagen als Herstellerangaben der Systemhersteller (Viega Katalog 2026 und Medienliste, Sanha Katalog 2026) und aus den Erkennungsregeln der Werkstoff-Welt; keine Normtexte, keine Analysebänder, keine Beständigkeitsangaben für Medien. Keine Rechtsberatung.