Zum Hauptinhalt springen

Ein Service der Otto Zickwolff GmbH

Zum Shop →

Norm-Ratgeber · Rohrbogen · Grundlagen

Rohrbogen-Grundlagen: Bauarten, Winkel, Typ A/B und Herstellung

Hier steht, was für jeden Rohrbogen gilt – gleich aus welchem Werkstoff: wie die Formstücknorm DIN EN 10253 gegliedert ist, was Typ A von Typ B unterscheidet, was die Bauarten 2D, 3D und 5D bedeuten, wann 45° statt 90° die bessere Wahl ist und was nahtlos gegen geschweißt heißt. Zahlen stehen hier keine. Biegeradien, Baulängen, Wanddickenreihen und Grenzabmaße hängen am Werkstoff und damit am Teil der Norm – sie stehen mit bemaßter Zeichnung auf den beiden Werkstoffseiten.

Norm
DIN EN 10253 Teil 1 – 4
Löst ab
DIN 2605
Winkel
45° / 90° / 180°
Bauarten
2D / 3D / 5D

Was ist ein Rohrbogen?

Ein Rohrbogen ist ein Formstück zum Einschweißen, das die Richtung einer Rohrleitung ändert – standardmäßig um 45°, 90° oder 180° (Sonderwinkel auf Anfrage). Rohrbögen werden fabrikmäßig hergestellt und stumpf in die Leitung eingeschweißt. Davon zu unterscheiden ist die Rohrbiegung: ein aus geradem Rohr kalt oder warm gebogenes Bauteil nach Kundenmaß (früher DIN 2609), das zum Einsatz kommt, wenn kein genormter Standardbogen passt.

Edelstahl-Rohrbogen 90 Grad mit aufgedruckter Kennzeichnung 1.4571 in Regalfächern, sortiert nach Außendurchmesser 60,3 und 76,1 mm
Edelstahl-Rohrbögen (1.4571) im Lagerregal, sortiert nach Außendurchmesser 60,3 und 76,1 mm – Werkstoff und Abmessung sind auf jedem Bogen aufgedruckt. Bild: Zickwolff-Lager

Normen: von DIN 2605 zu DIN EN 10253

Die alte deutsche Rohrbogennorm DIN 2605 ist durch die europäische DIN EN 10253 ersetzt. Die DIN EN 10253 regelt alle Formstücke zum Einschweißen (Bogen, T-Stücke, Reduzierstücke, Kappen) und gliedert sich in vier Teile:

  • Teil 1: unlegierter Stahl ohne besondere Prüfanforderungen
  • Teil 2: unlegierter/legierter ferritischer Stahl mit besonderen Prüfanforderungen (der Standard im Anlagenbau)
  • Teil 3: nichtrostender Stahl ohne besondere Prüfanforderungen
  • Teil 4: nichtrostender Stahl (austenitisch und Duplex) mit besonderen Prüfanforderungen

Alte und neue Ausführungen laufen im Handel parallel; die Baumaße sind weitgehend deckungsgleich (kleine Radien-Abweichungen bei den kleinsten Abmessungen wurden mit der Normrevision an DIN 2605 angeglichen).

Welcher Teil gilt, entscheidet der Werkstoff: für unlegierte und legierte Stähle Teil 2, für nichtrostende Stähle Teil 4. Beide Teile sind gleich aufgebaut – ihre Zahlen sind es nicht.

Typ A und Typ B: der Ausnutzungsgrad

Der Ausnutzungsgrad X ist das Verhältnis der Druckfestigkeit des Formstücks zu der eines geraden Rohres gleicher Maße, angegeben in Prozent. Er entsteht durch die Umformung: Beim Biegen wird die Bogeninnenseite gestaucht und die Außenseite gestreckt. Die Norm kennt dafür zwei Ausführungen.

Ausführung

Typ A – verminderter Ausnutzungsgrad

Die Wanddicke entspricht der des anschließenden Rohres, an den Schweißenden wie am Bogenkörper. Das Formstück erreicht deshalb nicht die volle Festigkeit des geraden Rohres – die Norm gibt je Bauart und Wanddickenreihe einen Ausnutzungsgrad an. Typ A ist die Standard-Handelsware.

Ausführung

Typ B – voller Ausnutzungsgrad

Der Bogen ist so gefertigt, dass er die Festigkeit des geraden Rohres erreicht; dafür ist die Wand an der Bogeninnenseite dicker als am Anschweißende. Typ B wird gewählt, wenn die Leitung rechnerisch voll ausgenutzt wird.

Am Anschweißende sind beide Ausführungen gleich – dort passt der Bogen ans Rohr, und nur das zählt für die Schweißnaht. Der Unterschied ist genau eine Angabe: der Ausnutzungsgrad X beim Typ A, die Wanddicke an der Bogeninnenseite beim Typ B. Für Typ B ist der Ausnutzungsgrad begriffsgemäß 100 %. Beide Werte nennt der Maßfinder auf der jeweiligen Werkstoffseite für die gewählte Größe.

Die historische Übersetzung für Stahl: DIN 2605-1 ≈ Typ A, DIN 2605-2 ≈ Typ B.

Bauarten 2D, 3D, 5D: der Biegeradius

Die Bauart sagt, wie eng der Bogen gekrümmt ist: der Biegeradius ist ein Vielfaches des Rohr-Außendurchmessers. Je enger der Radius, desto weniger Platz braucht der Bogen – und desto größer sind Strömungswiderstand und Erosion.

Bauarten-Vergleich 2D / 3D / 5D im gemeinsamen Maßstabr ≈ 1,0 × dBauart 2 („2D“, ≈ SR)r ≈ 1,5 × dBauart 3 („3D“, ≈ LR)r ≈ 2,5 × dBauart 5 („5D“)
Die drei Bauarten im gemeinsamen Maßstab – gleiche Nennweite d, gleicher Zeichnungsmaßstab: Der Biegeradius r bestimmt das Einbaumaß. Was „2D“ im Radius bedeutet, zeigt die Tabelle; Detailzeichnungen je Bauart weiter unten.
Bauarten von Rohrbögen nach Biegeradius
BauartRadiusEigenschaften
2 (2D)r ≈ 1 × dkürzestes Einbaumaß, höchster Druckverlust, stärkste Erosion
3 (3D)r ≈ 1,5 × dStandardbauart im Anlagenbau
5 (5D)r ≈ 2,5 × dströmungsgünstigster Normbogen, gut molchbar
Rohrbogen 90° Bauart 2, häufig „2D“ genannt (≈ ASME SR)Bauart 2 („2D“)r
Bauart 2, häufig „2D“ genannt: r ≈ 1,0 × d – kürzestes Einbaumaß („2D“ heißt nicht r = 2 × d).
Rohrbogen 90° Bauart 3, häufig „3D“ genannt (≈ ASME LR)Bauart 3 („3D“)r
Bauart 3, häufig „3D“ genannt: r ≈ 1,5 × d – Standardbauart im Anlagenbau.
Rohrbogen 90° Bauart 5, häufig „5D“ genanntBauart 5 („5D“)r
Bauart 5, häufig „5D“ genannt: r ≈ 2,5 × d – strömungsgünstigster Normbogen.

Auswahlkriterien (branchenübliche Faustregeln)

  • Platz: je kleiner der Radius, desto kompakter der Einbau – 2D nur wählen, wenn 3D nicht unterzubringen ist.
  • Druckverlust/Energie: der Widerstandsbeiwert eines 90°-Bogens liegt bei engem Radius spürbar höher (Richtwerte: K ≈ 0,35–0,45 eng, K ≈ 0,25–0,30 bei 1,5D). Bei vielen Umlenkungen summiert sich das in der Pumpenauslegung.
  • Erosion/Abrasion: enge Radien lenken schärfer um – bei feststoffbeladenen oder erosiven Medien größeren Radius wählen; außen am Bogenrücken ist die Wandausdünnung bei engem Radius größer.
  • Molchbarkeit: molchbare Leitungen brauchen große Radien (5D bzw. Rohrbiegungen 3D/5D); enge Bögen können Molche blockieren.
  • Spannungen: enge Radien haben höhere Spannungsüberhöhungsfaktoren – relevant bei zyklischer/thermischer Belastung.

Alle auf dieser Seite genannten K-Richtwerte sind unverbindliche Orientierungswerte aus der Fachliteratur; sie variieren je nach Quelle, Rohrrauheit, Reynolds-Zahl und tatsächlicher Geometrie. Für die Auslegung sind die projektspezifische Berechnung und die Herstellerangaben maßgeblich.

Welche Radien die jeweilige Norm tatsächlich führt und welche Kombinationen aus Bauart und Winkel es gibt, steht auf den Werkstoffseiten – sie decken sich nicht. Zwei Beispiele: In DIN EN 10253-4 gibt es in der Bauart 2D keinen 45°-Bogen, und dieselbe Norm führt zusätzlich die metrischen Bauarten D+100, 3DM und 5DM, die es in Teil 2 nicht gibt.

45° oder 90°?

Ein 45°-Bogen erzeugt nur rund die Hälfte des Strömungswiderstands eines 90°-Bogens (Richtwert K ≈ 0,15–0,20 gegenüber 0,25–0,30; äquivalente Rohrlänge ca. 16 statt ca. 30 Durchmesser). Typische 45°-Anwendungen: Höhenversätze, Pumpen-Saugleitungen (sanfte Anströmung), abrasive Medien, Schwerkraft-Abläufe. Zwei 45°-Bögen mit Zwischenstück können einen 90°-Bogen ersetzen („Dog-Leg“), kosten aber zusätzliche Schweißnähte.

Nahtlos oder geschweißt?

Nahtlose Bögen (aus nahtlosem Rohr) haben keine Längsnaht; sie sind marktüblich bei normal- und dickwandigen Bögen bis etwa DN 600. Geschweißte Bögen sind bei dünnen Wanddicken und großen Durchmessern üblich und wirtschaftlicher. Beide Fertigungsarten können bei Einhaltung der zutreffenden Produkt- und Auslegungsnormen für drucktragende Anwendungen geeignet sein – entscheidend sind Ausnutzungsgrad (Typ A/B), Werkstoff, Wanddicke, Prüfung und das jeweilige Regelwerk, nicht die Fertigungsart allein. In der Kennzeichnung steht S für nahtlos, W für geschweißt.

DIN EN ↔ ASME: die wichtigsten Unterschiede

  • ASME B16.9 normt Long Radius (r = 1,5 × NPS) und Short Radius (r = 1,0 × NPS; früher eigene Norm ASME B16.28, heute in B16.9 integriert): funktional entsprechen SR ≈ Bauart 2D und LR ≈ Bauart 3D. Eine 5D-Normbauart kennt ASME B16.9 nicht.
  • Die Radien sind ähnlich, aber nicht identisch: ASME rechnet zöllig über die NPS, EN legt metrische Radien fest.
  • 45°-Bögen gibt es nach ASME nur als Long Radius.
  • Wanddicken: ASME folgt den Schedule-Reihen (STD/XS/Sch 40 …), die EN den Wanddickenreihen 1–8 – Teil 2 führt sie in einer eigenen Tabelle, Teil 4 nennt Vorzugswerte nur in den Anhängen und deshalb nur für einen Teil der Durchmesser.
  • LR ist im ASME-Umfeld der Default (B31.3); SR muss explizit spezifiziert und rechnerisch geprüft werden.

Und die Maße?

Diese Seite nennt bewusst keine. Biegeradius, Baulänge, Wanddickenreihe, Ausnutzungsgrad und Grenzabmaß hängen am Teil der Norm und damit am Werkstoff. Beide Werkstoffseiten zeigen zu jeder Größe eine bemaßte Zeichnung mit den Zahlenwerten in der Zeichnung, dazu die vollständigen Maßtabellen und die Grenzabmaße zum Ein- und Ausblenden:

  • Rohrbogen aus Stahl – DIN EN 10253-2, dazu Kesselrohrbögen, die Werkstoffliste und der Prüfumfang.
  • Rohrbogen aus Edelstahl – DIN EN 10253-4, mit den Stellen, an denen Teil 4 bewusst von Teil 2 abweicht: Baumaß F statt W, Rundheit nach D/T, Größen ohne Wanddickenreihe.

Verwandte Formstücke derselben Norm: T-Stücke, Reduzierstücke, Kappen und gewölbte Böden.