Norm-Ratgeber · Flansche
Flanschtypen international: ASME-Bauformen und ihre EN-Entsprechungen
Weld Neck, Slip-On, Lap Joint – wer mit US-Spezifikationen, Importanlagen oder gemischten Projekten arbeitet, trifft auf die Bauformen nach ASME B16.5. Diese Seite erklärt die international gebräuchlichen Flanschbauformen und ordnet sie den Typnummern der DIN EN 1092-1 zu – inklusive der häufigsten Auswahlfrage Weld Neck oder Slip-On, der Dichtleisten-Kürzel und einer Werkstoff-Schnellreferenz DIN ↔ ASTM.
- Norm (US)
- ASME B16.5
- EN-Pendant
- DIN EN 1092-1
- Bauformen
- WN / SO / Threaded / SW / LJ / Blind
- Werkstoffe
- ASTM ↔ DIN/EN
Worum geht es hier?
Unser Flansch-Grundlagenartikel erklärt die EN-1092-1-Typnummern (Typ 01, 02, 05, 11, 13). Diese Seite erklärt die international gebräuchlichen Bauformen nach ASME B16.5 und ordnet sie den EN-Typen zu – wichtig für alle, die mit US-Spezifikationen, Importanlagen oder gemischten Projekten arbeiten. Die zugehörigen Maßtabellen finden Sie unter Flanschmaße PN 6 bis PN 40 und Flanschmaße ANSI 150, 300 und 600 lbs.
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| ASME B16.5 | Kürzel | EN 1092-1 |
|---|---|---|
| Weld Neck (Vorschweißflansch) | WN | Typ 11 |
| Slip-On (Überschiebflansch/glatter Flansch) | SO | Typ 01 (früher DIN 2576) |
| Threaded (Gewindeflansch) | Thd | Typ 13 |
| Socket Weld (Einsteckschweißflansch) | SW | in der EN-Welt wenig verbreitet |
| Lap Joint (Losflansch) + Stub End | LJ | Typ 02 (mit Bördel 33 bzw. Bunden 32/36/37) · Typ 04 (mit Vorschweißbund 34) |
| Blind (Blindflansch) | BL | Typ 05 |
Weld Neck (WN) – Vorschweißflansch → EN Typ 11
Der konische Hals verteilt die Spannungen, eine Stumpfnaht, Bohrung = Rohrinnendurchmesser (strömungsgünstig). Erste Wahl für hohen Druck, hohe Temperatur und zyklische Belastung. EN-Entsprechung: Typ 11. Variante Long Weld Neck (LWN): verlängerter Hals, typisch an Behältern/Wärmetauschern (Platz für Isolierung).
Slip-On (SO) – Überschiebflansch → EN Typ 01
Wird über das Rohr geschoben und mit zwei Kehlnähten (innen/außen) verschweißt. Günstiger und einfacher auszurichten als der Weld Neck, aber geringere Festigkeit und Ermüdungsfestigkeit – für moderate Drücke und unkritische Medien. EN-Entsprechung: Typ 01 (früher DIN 2576).
Threaded – Gewindeflansch → EN Typ 13
Das Rohr wird eingeschraubt (in den USA NPT-Gewinde), keine Schweißung nötig – deshalb Standard in explosionsgefährdeten Bereichen mit Schweißverbot; üblich bis ca. 4″. EN-Entsprechung: Typ 13.
Socket Weld (SW) – Einsteckschweißflansch
Das Rohr wird in eine Muffe gesteckt und mit einer äußeren Kehlnaht verschweißt; vor dem Schweißen wird das Rohr ca. 1,6 mm vom Muffengrund zurückgezogen (Dehnungsspalt). Der innere Spalt macht SW ungeeignet für korrosive Medien (Spaltkorrosion). In der EN-Welt wenig verbreitet – ein direktes EN-1092-1-Pendant gibt es im Handel praktisch nicht.
Lap Joint (LJ) – Losflansch mit Bördel/Stub End → EN Typ 02 / Typ 04
Der Flansch liegt lose auf einem gebördelten Rohrende und bleibt drehbar – das erleichtert die Schraubenloch-Ausrichtung. Wirtschaftlich attraktiv bei teuren Werkstoffen: Nur das medienberührte Bördel muss aus Edelstahl/Sonderlegierung sein, der lose Flansch kann Kohlenstoffstahl sein.
In der EN-Welt übernimmt das System aus losem Flansch und Bördel bzw. Bund die Rolle des Lap Joint – dabei bezeichnen die Typnummern zwei unterschiedliche Bauteilgruppen:
- Typ 02 ist der lose Flansch, der mit dem Bördel Typ 33 (dem EN-Pendant zum Stub End) bzw. mit den Bunden Typ 32/36/37 kombiniert wird.
- Typ 04 ist der lose Flansch für den Vorschweißbund Typ 34.
Die Kürzel 02/04 benennen also die losen Flansche, die Kürzel 32–37 die zugehörigen Bunde und Bördel – beide Angaben ergänzen sich. Losflansch und Bund/Bördel immer als Paar auswählen und bestellen.
Blind – Blindflansch → EN Typ 05
Ohne Bohrung, verschließt Leitungsenden, Behälterstutzen und Reserveabgänge. EN-Entsprechung: Typ 05.
Sonderbauformen (ASME-Umfeld)
Kombinationsbauteile, die Flansch und Abzweig/Formstück in einem Schmiedestück vereinen: Nipoflange und Weldoflange (Flansch + Abzweigstutzen, ersetzt T-Stück + Flansch), Elboflange (Bogen + Flansch), Latroflange (45°-Schrägabzweig + Flansch), Swivel-Flansch (drehbarer Ring für Großrohr/Offshore), Expander-/Reducer-Flansch (integrierte Nennweitenänderung um 1–2 Stufen – darüber gehört ein Reduzierstück + Normalflansch eingebaut). Aus der Messtechnik: Orifice-Flansche (ASME B16.36) und Monoflansche (Flansch mit integrierter Absperr-/Messfunktion). Diese Bauformen tauchen in deutschen Anlagen meist über internationale Spezifikationen auf.
Weld Neck oder Slip-On? (die häufigste Auswahlfrage)
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| Kriterium | Weld Neck | Slip-On |
|---|---|---|
| Festigkeit/Ermüdung | hoch (konischer Hals, Stumpfnaht) | geringer |
| Schweißaufwand | 1 Stumpfnaht (mit Vorbereitung) | 2 Kehlnähte (einfacher) |
| Ausrichtung | anspruchsvoller | einfacher |
| Kosten Bauteil | höher | niedriger |
| Einsatz | hoher Druck/Temperatur, kritische Medien, Wechsellast | moderate Bedingungen, Wasser/HLK, unkritisch |
Merksatz für die Beratung: Je höher Druck, Temperatur oder Lastwechsel, desto eher Vorschweißflansch; Slip-On/Glattflansch ist die wirtschaftliche Lösung für den unkritischen Standardfall.
Dichtleisten über RF hinaus
Neben Raised Face (RF) und Ring Joint (RTJ) kennt die Normwelt (EN 1759-1/ASME) weitere Dichtleisten-Paarungen, die im Handel mit Kürzeln bestellt werden: LM/LF (Large Male/Female), SM/SF (Small Male/Female), LT/LG (Large Tongue/Groove), ST/SG (Small Tongue/Groove) – also Vor-/Rücksprung- und Nut-/Feder-Systeme, bei denen immer zwei komplementäre Flansche kombiniert werden müssen. Das Prinzip zeigen die EN-1092-1-Formen C/D (Feder/Nut) und E/F (Vorsprung/Rücksprung):
Grundlagen zu den Dichtflächen nach EN 1092-1 finden Sie im Flansch-Grundlagenartikel; die Gegenüberstellung mit den ASME-Dichtflächen (Raised Face, Flat Face, RTJ) zeigt der Normvergleich DIN EN 1092-1 vs. ASME B16.5.
Werkstoff-Schnellreferenz (DIN ↔ ASTM)
Flanschvormaterial branchenüblich:
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| ASTM | DIN/EN | Einordnung |
|---|---|---|
| A105 | P250GH/C22.8-Umfeld | Kohlenstoffstahl |
| A350 LF2 | – | tieftemperaturzäh |
| A182 F304/F304L | 1.4301/1.4307 | Edelstahl austenitisch |
| F316/F316L | 1.4401/1.4404 | Edelstahl austenitisch |
| 316Ti | 1.4571 | Edelstahl titanstabilisiert |
| F321 | 1.4541 | Edelstahl titanstabilisiert |
| F12 | 13CrMo4-5 | warmfest |
| F22 | 10CrMo9-10 | warmfest |
Mehr zu Werkstoffbezeichnungen und Gegenüberstellungen im Bereich Werkstoffe.
Häufige Fragen zu internationalen Flanschtypen
Was ist ein Flansch Typ 11?
Typ 11 ist der Vorschweißflansch mit Hals: stumpf an das Rohr geschweißt, günstiger Kraftfluss, bessere Spannungsverteilung – daher die Wahl für höhere Drücke, Temperaturen, Lastwechsel und kritische Medien. ASME-Pendant: Weld Neck.
Wann ist ein Vorschweißflansch die bevorzugte Lösung?
Bei höheren Drücken, Temperaturen, Lastwechseln, kritischen Medien oder wenn ein günstiger Kraftfluss und eine hochwertige Schweißverbindung benötigt werden; die Nabe reduziert den Steifigkeitssprung, setzt aber passende Rohrwand, Schweißvorbereitung und qualifizierte Fertigung voraus.
Was ist der Unterschied zwischen Weld-Neck- und Slip-On-Flansch?
Der Weld Neck (Vorschweißflansch) hat einen konischen Hals, der die Spannungen verteilt, und wird mit einer Stumpfnaht angeschweißt – erste Wahl für hohen Druck, hohe Temperatur und zyklische Belastung. Der Slip-On (Überschiebflansch) wird über das Rohr geschoben und mit zwei Kehlnähten verschweißt: günstiger und einfacher auszurichten, aber mit geringerer Festigkeit und Ermüdungsfestigkeit – für moderate Drücke und unkritische Medien.
Wann ist ein Muffenschweißflansch (Socket Weld) geeignet?
Vor allem bei kleineren Nennweiten und höheren Druckklassen, sofern Rohrleitungscode und Spezifikation es zulassen. Zu beachten sind der definierte Montageabstand am Rohrende, die Schweißausführung und mögliche Spaltkorrosion – deshalb nicht für korrosive Medien.
Warum sind Socket-Weld-Flansche nicht für korrosive Medien geeignet?
Vor dem Schweißen wird das Rohr etwa 1,6 mm vom Muffengrund zurückgezogen (Dehnungsspalt). Dieser innere Spalt bleibt bestehen und begünstigt Spaltkorrosion – bei korrosiven Medien daher eine andere Bauform wählen.
Wann wird ein Lap-Joint-Flansch mit Stub End eingesetzt?
Bei korrosionsbeständigen Rohrsystemen oder häufigem Demontagebedarf: Der lose Hinterlegflansch kann aus günstigerem Werkstoff bestehen und gedreht werden; der medienberührte Stub End bestimmt Korrosions- und Dichtflächeneignung. Beide Bauteile als Paar auswählen.
Welche Angaben braucht ein loser Flansch zusätzlich?
Neben Norm, DN, PN und Werkstoff des Losflansches muss der zugehörige Bund, Bördel oder Vorschweißbund eindeutig beschrieben werden – Werkstoff, Dichtfläche, Rohranschlussmaß, Bundaußendurchmesser und die gemeinsame geometrische Kompatibilität.
Darf ein Slip-On-Flansch als Losflansch verwendet werden?
Nur wenn Normausführung, Bundaußendurchmesser, Auflagefläche und projektspezifische Freigabe dies zulassen – geometrisch „passend“ heißt nicht als Lap-Joint-Hinterlegflansch ausgelegt.
Was ist bei Reduzierflanschen zu beachten?
Sie verbinden unterschiedliche Nennweiten, können aber lokal erhöhte Strömung, Druckverlust und ungünstige Spannungen erzeugen; Bauform (konzentrisch/exzentrisch), Bohrung, Dichtungsinnendurchmesser und zulässige Normausführung klären.
Passenden Flansch direkt finden
Sie kennen bereits Bauform, DN und Werkstoff? Im Zickwolff-Sortiment finden Sie Vorschweiß-, Gewinde-, Glatt-, Blind- und lose Flansche in Stahl und Edelstahl.
Fachliche Grundlage: ASME B16.5, DIN EN 1092-1, EN 1759-1, ASME B16.36; Werkstoffe: ASTM A105/A350/A182 und DIN-EN-Pendants. Angaben ohne Gewähr – maßgeblich sind stets die aktuellen Normtexte und die technischen Datenblätter des Herstellers.