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Norm-Ratgeber · Alte DIN → heute

DIN 17175: was heute gilt (EN 10216-2) – und was aus St 35.8 wurde

Auf unzähligen Kessel- und Anlagenzeichnungen steht „St 35.8 I nach DIN 17175“. Beides gibt es formal nicht mehr – und beides lässt sich klar zuordnen. Diese Seite liefert die Zuordnung samt Werkstoff-Umschlüsselung und erklärt, was die römischen Ziffern von damals mit den heutigen Prüfklassen zu tun haben.

Status
alte DIN ersetzt/abgelöst
Belegquelle
„Ersatz für“-Vermerke der Nationalen Vorworte
Übersicht
alle Ablösungen: Seite Normen verstehen
Stand
Juli 2026

Die kurze Antwort

Die DIN 17175 (nahtlose Rohre aus warmfesten Stählen) wurde durch die EN 10216-2 ersetzt. Aus St 35.8 I wurde P235GH TC1, aus St 35.8 III P235GH TC2 – die römische Ziffer von damals ist die Prüfklasse von heute.

Norm-Zuordnung alt zu neu
Alte NormGegenstandHeute giltHinweis
DIN 17175Nahtlose Rohre aus warmfesten Stählen (Kesselrohre)EN 10216-2St 35.8 I/III → P235GH TC1/TC2
DIN 17177Elektrisch geschweißte Kesselrohre, erhöhte TemperaturenEN 10217-2 und EN 10217-5Teil 2 = HFW, Teil 5 = UP-geschweißt

Werkstoff-Umschlüsselung und Prüfklassen

  • St 35.8 I → P235GH TC1 · St 35.8 III → P235GH TC2
  • St 45.8 I/III → P265GH TC1/TC2
  • 15Mo3 → 16Mo3 · 13CrMo44 → 13CrMo4-5 · 10CrMo910 → 10CrMo9-10 · X11CrMoVNb91 → X10CrMoVNb9-1 (1.4903; international als Werkstofffamilie „P91“ gebräuchlich)

Die Prüfklassen TC1 und TC2 bezeichnen unterschiedliche Prüfkategorien: TC2 umfasst den erweiterten Prüfumfang (u. a. zerstörungsfreie Prüfung) – legierte Kesselrohrgüten laufen generell als TC2. Welche Klasse einzusetzen ist, ergibt sich aus Norm, Abmessung, Werkstoff und Bestellung; bei Druckgeräten regelt es das Regelwerk (z. B. AD 2000 W): grob gilt die Unterscheidung Einbaurohr vs. Leitungsrohr mit Abmessungsgrenzen. Details dazu und die komplette EN-10216-Systematik: Rohre erklärt. Für elektrisch geschweißte Kesselrohre war die DIN 17177 das Pendant – heute EN 10217-2 (bzw. -5 für unterpulvergeschweißt).

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen St 35.8 I und St 35.8 III?

Die römische Ziffer bezeichnete den Prüfumfang: III stand für die höherwertige Ausführung mit erweiterter Prüfung. Diese Logik lebt in der EN 10216-2 in den Prüfkategorien weiter – St 35.8 I entspricht der Sache nach P235GH TC1, St 35.8 III P235GH TC2. Wer heute ein Rohr „wie St 35.8 III“ braucht, bestellt P235GH TC2.

Ist P235GH derselbe Werkstoff wie St 35.8?

P235GH ist in der EN 10216-2 die Nachfolge- bzw. Vergleichsgüte zu St 35.8 – P für Druckbehälterstahl (pressure), 235 für die Mindeststreckgrenze in MPa, GH für erhöhte Temperaturen. Es handelt sich aber nicht um eine bloße Umbenennung: Mit dem Normenwechsel wurden einzelne Werkstoff-, Prüf- und Lieferanforderungen angepasst. Bei Ersatzbeschaffungen deshalb die aktuelle EN 10216-2, das Anlagenregelwerk und ggf. die Werkstofffreigabe vergleichen.

Gilt die DIN 17175 in Bestandsanlagen weiter?

Bestandsanlagen bleiben nach dem Regelwerk ihrer Errichtungszeit dokumentiert – die Zeichnungsangabe DIN 17175 bleibt dort gültig als historische Referenz. Für Ersatz- und Erweiterungsbeschaffungen wird heute nach EN 10216-2 bestellt; die Umschlüsselung der Werkstoffbezeichnungen ist etabliert – die konkreten Anforderungen (Prüfumfang, Zeugnis) sind je Einsatzfall mit der aktuellen Norm abzugleichen.

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Fachliche Grundlage: Nationale Vorworte der jeweiligen DIN-EN-Normen (Ersatzvermerke und Frühere Ausgaben), BDS-Fachliteratur, Hersteller- und Händlerkataloge; Zuordnungen am Normtext geprüft. Werteauswahl nach unserem Liefer- und Lagerprogramm; die Übersicht ersetzt nicht den Normtext. Angaben ohne Gewähr – maßgeblich sind stets die aktuellen Normtexte und die technischen Unterlagen der Hersteller. Redaktionell geprüft: Juli 2026. Berücksichtigter Normen- und Herstellerstand: Juli 2026.