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Detailseite · Dichtungen

Spiral-, Kammprofil- und RTJ-Dichtungen: wenn Weichstoff nicht mehr reicht

Hohe Drücke, hohe Temperaturen, wechselnde Betriebszustände oder Kohlenwasserstoff-Service: Hier übernehmen Dichtungen mit Metallanteil. Diese Seite erklärt den Aufbau der Spiraldichtung mit Innen- und Außenring, das Farbcode-System nach ASME B16.20, Kammprofil- und metallummantelte Dichtungen – und die massiven Ring-Joint-Dichtungen für den Höchstdruckbereich.

Familien
Spiral · Kammprofil · ummantelt · RTJ
Normen
ASME B16.20 · API 6A · EN 1514
Einsatz
hohe p/T, Wechselbedingungen
Kennzeichnung
Farbcode + Stempelung

Spiraldichtung: federndes Metallband plus Weichstoff-Füller

Die Spiraldichtung (spiral wound gasket, SWG) ist die wichtigste halbmetallische Bauart: Ein V-profiliertes Metallband wird spiralig gewickelt, zwischen den Lagen liegt ein Weichstoff-Füller. Das federnde V-Profil hält die Flächenpressung auch dann aufrecht, wenn Temperaturwechsel die Schraubenkraft schwanken lassen – deshalb ist die Spiraldichtung erste Wahl bei thermischer Zyklierung und im Kohlenwasserstoff-Service. Standard-Wickelmetalle sind 1.4301/304 und 1.4404/316L (verfügbar bis hin zu Titan, Hastelloy oder Inconel), Standard-Füller ist Graphit; PTFE übernimmt bei aggressiver Chemie, spezielle Hochtemperatur-Füllstoffe reichen über die Graphit-Grenze hinaus.

Prinzipskizze: Querschnitt einer Spiraldichtung mit Innen- und Außenring Schnitt durch eine Spiraldichtung: In der Mitte der gewickelte Dichtkörper aus abwechselnden V-förmigen Metallbandlagen und Weichstoff-Füller, links der Innenring, rechts der dickere Außenring als Zentrier- und Kompressionsring. Spiraldichtung im Querschnitt (Bauform mit Innen- und Außenring) Rohrachse Innenring Wickelkörper: Metallband (V-Profil) + Weichstoff-Füller Außenring (Zentrierung + Kompressionsstopp)
Querschnitt einer Spiraldichtung: Der gewickelte Dichtkörper aus V-Metallband und Füller (blau) sitzt zwischen Innenring und Außenring. Der Außenring zentriert die Dichtung am Lochkreis und begrenzt die Verpressung, der Innenring stützt die Wicklung und schirmt sie vom Medium ab. Eigene Schemazeichnung.

Bauformen: mit und ohne Ringe

  • Mit Außenring: Standard für Raised-Face-Flansche – der Ring zentriert die Dichtung an den Schrauben und stoppt die Kompression, bevor die Wicklung überpresst wird (Typbezeichnungen je nach Hersteller, z. B. „CG" bzw. Typ 10).
  • Mit Innen- und Außenring: für mittlere bis schwere Bedingungen („CGI" bzw. Typ 101). Der Innenring verhindert das Einknicken der Wicklung nach innen und schützt den Füller vor Medium und Erosion. Faustregeln: PTFE-Füllung immer mit Innenring; ASME B16.20 schreibt Innenringe für große Nennweiten hoher Druckklassen zwingend vor.
  • Nur Wickelkörper (ohne Ringe, „R" bzw. Typ 00) oder nur mit Innenring (Typ 01): ausschließlich für gekammerte Flanschformen (Feder/Nut, Vor-/Rücksprung), bei denen die Kammer selbst die Kompression begrenzt.

Kennzeichnung: Der Farbcode nach ASME B16.20

Spiraldichtungen tragen am Außenring ein genormtes Farbcode-System: Die vollflächige Farbe der Ringkante bezeichnet das Wickelmetall, Farbstreifen in gleichmäßigen Abständen den Füllstoff. Dazu kommt die Pflicht-Stempelung mit Hersteller, Werkstoffen, Nennweite und Druckklasse sowie dem Normverweis. Die wichtigsten Codes:

Farbcode für Spiraldichtungen nach ASME B16.20 (Auszug der gängigsten Werkstoffe)
WickelmetallVollfarbeFüllstoffStreifenfarbe
1.4301 (304)GelbGraphitGrau
1.4404 (316L)GrünPTFEWeiß
1.4541 (321)TürkisKeramikHellgrün
1.4550 (347)BlauGlimmer-GraphitRosa
C-StahlSilber  
Monel 400Orange  
Nickel 200Rot  
TitanViolett  
Inconel 600/625Gold  
Hastelloy C276Beige  

Der Farbcode ist mehr als Kosmetik: Ein häufiger Schadensfall ist die Spiraldichtung mit unpassendem Innenring- oder Wickelwerkstoff im Medium (etwa C-Stahl im Chlorid-Service). Vor dem Einbau Farbcode und Stempelung gegen die Anforderung prüfen – und Spiraldichtungen immer flach in der Originalverpackung lagern, nie hängend: Eine verformte Wicklung dichtet auch bei korrektem Anzugsmoment nicht mehr zuverlässig.

Weitere Bauarten

Kammprofil- und metallummantelte Dichtungen

Die Kammprofildichtung besteht aus einem massiven Metallkern mit konzentrisch gerillter Oberfläche, auf die beidseitig dünne Weichstoffauflagen – meist Graphit – aufgelegt werden. Die Rillenspitzen konzentrieren die Schraubenkraft auf schmale Linien und erzeugen hohe lokale Pressungen, während die Auflagen die Feindichtung übernehmen. Das Ergebnis ist eine praktisch überpressungssichere, sehr robuste Dichtung für hohe Drücke und Temperaturen – verbreitet an Wärmetauschern, in Dampf- und Wärmeträgersystemen und als Alternative zur Spiraldichtung bei großen Nennweiten, wo der massive Kern die Handhabung erleichtert.

Die metallummantelte Dichtung (jacketed gasket) kapselt einen Weichstoffkern in einen dünnen Metallmantel. Sie ist die traditionelle Lösung für Wärmetauscher-Sonderformen mit Stegen und Kammern, wird aber in Neuanlagen zunehmend durch Kammprofil- und Spiraldichtungen ersetzt, die höhere Dichtheitsklassen erreichen.

Ring-Joint-Dichtungen (RTJ): massiv metallisch für Höchstdruck

Für den Höchstdruckbereich – Bohrlochtechnik, Öl und Gas, Hochdruck-Prozessanlagen – dichten massive Metallringe in der Ringnut spezieller RTJ-Flansche. Die Systematik nach ASME B16.20 und API 6A:

  • Typ R (ovaler oder oktogonaler Querschnitt): die klassische Bauform. Die genormten Ringnummern (R 11 bis R 105) ordnen jeden Ring eindeutig einer Flanschgröße und Druckklasse zu; oval und oktogonal sind auf modernen Oktogonal-Nuten austauschbar. Dichtwirkung allein über die Schraubenkraft, Einsatz bis etwa 10.000 psi.
  • Typ RX: druckunterstützte Weiterentwicklung – der Innendruck presst den modifizierten Querschnitt zusätzlich gegen die Nutflanken. Passt in dieselbe Nut wie Typ R (direkte Aufrüstung), Einsatz bis etwa 15.000 psi.
  • Typ BX: für API-6BX-Flansche bis 20.000 psi, mit eigener Nutgeometrie und Druckausgleichsbohrung – nicht mit R/RX austauschbar.

Zwei Grundregeln gelten für alle RTJ-Ringe: Der Ringwerkstoff muss weicher sein als der Flanschwerkstoff (übliche Abstufung von verzinktem Weicheisen über niedriggekohlten Stahl bis 304/316 und Nickellegierungen, jeweils mit genormten Maximalhärten) – die plastische Verformung soll im austauschbaren Ring stattfinden, nicht in der Flanschnut. Und: RTJ-Ringe sind Einwegteile; nach dem Verpressen werden sie ersetzt. Die zugehörigen Flanschmaße im ASME-System zeigt unsere Seite Flanschmaße nach ASME B16.5.

Auswahl

Wann welche Bauart?

Metall- und Verbunddichtungen im Direktvergleich
 SpiraldichtungKammprofilRTJ
Aufbaugewickeltes V-Band + Füllergerillter Metallkern + Auflagenmassiver Metallring
Stärkefedernd bei Wechselbedingungenüberpressungssicher, robustHöchstdruck
FlanschformRF, FF, gekammertRF, WärmetauscherRTJ-Nut
NormASME B16.20 / EN 1514-2EN 1514-6 / HerstellerASME B16.20 / API 6A
Typischer EinsatzRaffinerie, Chemie, DampfWärmetauscher, Dampf, große DNÖl/Gas, Bohrlochtechnik

Für die Auswahl gilt dieselbe Logik wie bei allen Dichtungen – Medium, Druck/Temperatur, Flanschform und Regelwerk entscheiden (siehe Dichtungen-Übersicht). Als Faustregel der Praxis: Bei Kohlenwasserstoffen und zyklischer Fahrweise nicht aus Kostengründen auf eine Flachdichtung herabstufen – die Spiraldichtung mit Graphitfüllung und Innenring ist dort in aller Regel die passende Wahl – die konkrete Auslegung bleibt anwendungsbezogen.

FAQ

Häufige Fragen zu Metall- und Verbunddichtungen

Was ist eine Spiraldichtung (SWG)?

Eine halbmetallische Dichtung, bei der ein V-profiliertes Metallband spiralig gewickelt und lagenweise mit einem Weichstoff-Füller (meist Graphit, alternativ PTFE oder Hochtemperatur-Füllstoffe) belegt wird. Das federnde Metallprofil hält die Pressung auch bei Druck- und Temperaturwechseln, der Füller übernimmt die Feindichtung. Spiraldichtungen sind der Standard für hohe Drücke und Temperaturen sowie für Kohlenwasserstoff-Service und werden durch ASME B16.20 geregelt.

Wozu dienen Innen- und Außenring einer Spiraldichtung?

Der Außenring zentriert die Dichtung am Lochkreis und wirkt als Kompressionsstopp gegen Überpressung – Standard bei Raised-Face-Flanschen. Der Innenring verhindert das Einknicken der Wicklung nach innen, dient als zusätzlicher Kompressionsstopp und schützt Füller und Wicklung vor Medium und Erosion. Bei PTFE-Füllung und bei schweren Betriebsbedingungen gehört immer ein Innenring dazu; ASME B16.20 schreibt Innenringe für große Nennweiten hoher Druckklassen sogar zwingend vor.

Was bedeuten die Farben auf einer Spiraldichtung?

Nach ASME B16.20 trägt der Außenring einen genormten Farbcode: Die vollflächige Farbe der Ringkante nennt das Wickelmetall (z. B. Gelb für 1.4301/304, Grün für 1.4404/316L, Blau für 347, Orange für Monel, Violett für Titan), Farbstreifen in Abständen nennen den Füllstoff (Grau für Graphit, Weiß für PTFE, Hellgrün für Keramik). Dazu ist die Kennzeichnung mit Hersteller, Werkstoffen, Nennweite und Druckklasse vorgeschrieben – so lässt sich jede Dichtung im Lager eindeutig identifizieren.

Was ist eine Kammprofildichtung?

Ein massiver Metallkern mit konzentrisch gerillter (gekämmter) Oberfläche, beidseitig mit dünnen Weichstoffauflagen – meist Graphit – belegt. Die Rillenspitzen erzeugen hohe lokale Pressungen, die Auflagen dichten fein ab. Kammprofildichtungen sind extrem robust gegen Überpressung, halten hohe Schraubenkräfte und eignen sich für hohe Drücke und Temperaturen, etwa an Wärmetauschern und in Dampfsystemen – auch als Alternative zur Spiraldichtung bei großen Nennweiten.

Was ist eine RTJ-Dichtung und wann wird sie eingesetzt?

Ring-Type-Joint-Dichtungen sind massive Metallringe mit ovalem oder oktogonalem Querschnitt, die in die Ringnut spezieller RTJ-Flansche eingelegt und verpresst werden – der Standard für Höchstdruck in der Öl- und Gasindustrie. Typ R (nach ASME B16.20) dichtet über die Schraubenkraft, Typ RX (API 6A) ist druckunterstützt und passt in dieselbe Nut, Typ BX (API 6A) braucht eigene Nuten und reicht bis 20.000 psi. Grundregel: Der Ringwerkstoff muss immer weicher sein als der Flanschwerkstoff, und RTJ-Ringe sind Einwegteile.

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Fachliche Grundlage: Normfakten zu ASME B16.20, ASME B16.21, API 6A und EN 1514 sowie ausgewertete Herstellerunterlagen (Flexitallic-Broschüren Spiral Wound Gaskets und Ring Type Joints 11/2025 – Fakten in eigener Formulierung mit Quellenangabe als Herstellerangabe) und Fachartikel (projectmaterials.com). Farbcodes nach dem Industriestandard gemäß ASME B16.20. Angaben ohne Gewähr – maßgeblich sind die aktuellen Normen und die technischen Unterlagen der Hersteller. Fachlich geprüft und freigegeben: Juli 2026; berücksichtigter Normen- und Herstellerstand: Juli 2026.