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Faustregel · trifft zu

Fremdrohr nur nach Maßtabelle, nie nach Nennweite – warum ein Übergang auf ein fremdes System am Außendurchmesser und an der Wanddicke hängt

Fremdrohr nur nach Maßtabelle, nie nach Nennweite.

Eine Faustregel ersetzt weder die Auslegung noch die Angaben des Herstellers.

Einordnung
robuste Regel
Normbezug
EN ISO 21003-2, EN ISO 15875-2, EN ISO 15876-2 (zulässige Fremdrohre laut Geberit TI 972.124.00.0) – Herstellerangabe

Merksatz

Ob ein Übergangsfitting ein fremdes Rohr dicht fasst, entscheidet das Rohr selbst – gemessener Außendurchmesser und Wanddicke –, nicht die Zahl, die auf dem Rohr steht. „16“ heißt bei Verbundrohren 16 × 2,0 oder 16 × 2,2, und das sind zwei verschiedene Übergangsgruppen.

Woher kommt die Regel?

Die Regel kommt aus der Freigabeliste des Herstellers: Geberit führt für den FlowFit-Übergang auf Fremdsysteme sieben Übergangsgruppen nach d × s (16 × 2,0–2,2, 16–17 × 2,5–2,75, 20 × 2,0–2,25, 20 × 2,8–2,9, 25 × 2,5–2,7, 25 × 3,5–3,7, 26 × 3) und ordnet jedem Fremdrohr genau eine Gruppe zu – mit dem Hinweis, dass die Maße wegen der Toleranzen immer zu überprüfen sind. Der Kalibrierdorn des Übergangs ist gruppenspezifisch; ein Rohr der falschen Gruppe lässt sich kalibrieren und verpressen und ist trotzdem nicht freigegeben.

Was ist technisch richtig?

Ein Pressübergang dichtet zwischen Stützkörper (innen) und Presshülse (außen). Der Stützkörper braucht den Innendurchmesser, der sich aus d minus 2 × s ergibt; die Presshülse braucht den Außendurchmesser. Zwei Rohre mit gleichem d und 0,2 mm Unterschied in s haben 0,4 mm Unterschied im Innendurchmesser – für einen O-Ring am Stützkörper ist das der Unterschied zwischen Vorspannung und Spalt. Deshalb steht in jeder Freigabe d × s, und deshalb reicht die Nennweite nicht. Gemessen wird mit dem Messschieber an zwei Stellen um 90° versetzt (Unrundheit), die Wanddicke am geraden Schnitt oder aus dem Herstelleraufdruck, wenn er lesbar ist.

Wo endet die Regel?

  • Innerhalb EINES Systems gilt die Regel nicht als Prüfaufwand: Systemrohr und Systemfitting sind aufeinander gebaut, da genügt die Dimension.
  • Klemmverbinder mit Bereichsangabe (Multigebo misst Außen- und Innendurchmesser mit dem Messdorn aus dem Set, Dichtbänder decken Bereiche ab) brauchen ebenfalls das Maß – nur mit breiterem Band.
  • Metallrohre und beschichtete Metallrohre sind am FlowFit-Übergang gar nicht zulässig – da hilft keine Maßtabelle, sondern nur ein Gewinde- oder Flanschübergang.
  • Die Freigabeliste hat ein Ablaufdatum (Geberit: 01.04.2027) – ein Rohr, das heute drinsteht, kann in der nächsten Ausgabe fehlen.

Was sagt die Norm?

Die Rohrnormen, die Geberit für Fremdrohre zulässt – EN ISO 21003-2 (Mehrschichtverbundrohr), EN ISO 15875-2 (PE-X), EN ISO 15876-2 (PB) –, legen Außendurchmesser und Wanddickenreihen mit Toleranzen fest; sie regeln nicht die Verbindung zu einem fremden Fitting. Die Freigabe ist deshalb immer eine Herstellerangabe, und sie nennt d × s, weil die Norm mehrere Wanddicken je Außendurchmesser erlaubt. Normtext liegt uns nicht vor; die Angaben folgen der Technischen Information.

DIN/EN versus ASME/ASTM

In der ASME/ASTM-Welt gibt es für Verbund- und PE-X-Rohre eigene Standards (ASTM F1281 Verbundrohr, ASTM F876 PE-X) mit Zollmaßen nach Nominal Tube Size – ein „½ Zoll“-PE-X-Rohr hat 15,9 mm Außendurchmesser und passt in keine der sieben EN-Gruppen. Die Regel gilt dort erst recht: messen, nicht übersetzen.

Praxisbeispiel

Ein Instandhalter will ein Bestandsrohr „d 20“ eines unbekannten Herstellers an FlowFit anschließen. Gemessen: 20,0 mm außen, 2,25 mm Wand – Gruppe 20 × 2,0–2,25, Übergang 620.711.00.1. Hätte er nach „20“ bestellt und das Rohr wäre ein 20 × 2,8 (Gruppe 620.712.00.1), säße der Stützkörper auf einem um 1,1 mm kleineren Innendurchmesser – nicht freigegeben, und die Gewährleistung läge bei niemandem.

Zickwolff-Bezug

Aus dem Tagesgeschäft: Anfragen zu Übergängen kommen mit Fotos von Aufdrucken oder mit „ungefähr 20“. Wir fragen nach gemessenem d × s und, wenn lesbar, nach Hersteller und Handelsname – damit prüfen wir die Freigabeliste. Was nicht drinsteht, lösen wir über Gewinde, Flansch oder Multigebo, nicht über eine Hoffnung.

Heute überprüft

Ampel: trifft zu (Klasse A). Die Regel folgt wörtlich der Herstellerfreigabe (d × s je Gruppe, Toleranzhinweis); sie ist eine Montagewahrheit, keine Normauslegung.

Weiterführende Links

Häufige Fragen

Reicht die Angabe „Verbundrohr 20“ für die Anfrage?

Nein – wir brauchen d × s gemessen oder vom Aufdruck, am besten mit Hersteller und Handelsname. 20 × 2,0 und 20 × 2,8 sind zwei Übergangsgruppen.

Darf ich ein Rohr der Nachbargruppe kalibrieren und verpressen?

Technisch geht das oft – freigegeben ist es nicht. Die Gewährleistung des Fittingherstellers gilt nur für die genannte Gruppe.

Was, wenn mein Rohr in keiner Liste steht?

Dann gibt es keinen freigegebenen Pressübergang: Gewindeübergang des Bestandssystems, Klemmverbinder auf das gemessene Rohr (Multigebo) oder Rückbau bis zum nächsten Metallanschluss.

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